Waldbaden – Achtsamkeit statt Action

Viola Beier-Brunner ist eine, der speziell für das „Liebliche Taubertal“, in Zusammenarbeit mit der „Deutschen Akademie für Waldbaden“ in Landau, ausgebildete Waldbadebegleiterin - Marianne Riermeier

Freizeitangebote und Themenwanderwege gibt es zahlreiche im Lieblichen Taubertal. Eines davon hat mich besonders neugierig gemacht, das „Waldbaden“. Und das möchte ich gerne ausprobieren.

So treffe ich mich an einem sonnigen Vormittag mit der Naturerlebnisführerin Viola Beier-Brunner auf einem Wanderparkplatz in der Nähe von Bad Mergentheim. Sie ist eine, der speziell für das „Liebliche Taubertal“, in Zusammenarbeit mit der „Deutschen Akademie für Waldbaden“ in Landau, ausgebildete Waldbadebegleiter/in.

Bevor wir losgehen erzählt mir Viola erst mal Interessantes über das „Waldbaden“.

„Der Trend kommt aus Japan.  Dort heißt es „Shinrin Yoku“ was eben so viel bedeutet wie „Baden in der Atmosphäre des Waldes“. Bereits seit den 1980er Jahren ist man dort von der heilenden Wirkung des „Waldbadens“ überzeugt. Es ist seit langem eine anerkannte Therapieform und ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Zahlreiche Studien in Japan zeigen die positive Wirkung auf die mentale und körperliche Gesundheit. Vor allem durch die Wirkung der Terpene, das sind Stoffe, die Pflanzen absondern, um untereinander Botschaften auszutauschen zur Schädlings-, Pilz- oder Bakterien-Abwehr, und die beim Atmen und durch die Haut aufgenommen werden, soll das Immunsystem gestärkt, der Stresslevel gesenkt und Blutdruck und Blutzuckerspiegel reguliert werden.“

Und was ist nun der Unterschied zwischen einem normalen Waldspaziergang und dem „Waldbaden“?

„Für uns Europäer ist die positive Wirkung des Waldes auf Körper und Geist ja nichts Neues. Beim „Waldbaden“ ist genau diese positive Wirkung auf Gesundheit und Befinden das erklärte Ziel, und nicht Action, sportliche Ziele zu erreichen, oder irgendwo anzukommen. Sondern im Wald wieder zu uns selbst zu finden, von Stress und Eile abzugrenzen, was durch verschiedene Wahrnehmungs- und Achtsamkeits-übungen unterstützt wird: Entschleunigung - Innehalten – Sinne öffnen - Staunen - Meditation - Atmen - Sanfte Bewegungen - Augenentspannung - Zeit für sich.“

Nach der kurzen Information soll es nun losgehen. Ich bin sehr gespannt darauf, was ich erleben werde. Und gleich die ersten Schritte sind eine Herausforderung. Es ist nicht einfach sich auf die Langsamkeit einzulassen, auf das „Gehen in Langsamkeit“, das Schlendern, bei dem die Füße ganz bewusst abgerollt werden.

Bedächtig schlendern wir hintereinander den Waldweg entlang. Überall zwitschert, zirpt und raschelt es – und doch spüre ich wie sich Ruhe in mir ausbreitet. Entferntes Klappern von Nordic Walking Stöcken, irgendwelche Geräusche aus der Zivilisation nehme ich wahr - und sie sind doch so weit weg, wie in einem anderen Universum. Wir verändern unsere Gangarten – schreiten, heben die Knie im Storchengang oder schlurfen. Damit wirbeln wir die Blätter hoch und der Geruch nach Waldboden wird noch intensiver.

Der Weg führt durch einen lichten Laubwald, die Sonne blinzelt durch die Baum-kronen und malt helle Flecken auf den Waldboden, ein Spiel von Licht und Schatten. Immer wieder halten wir inne, wir unterhalten uns nicht, sprechen nicht. Viola zeigt mir mit einer Geste oder mit den Augen kleine Besonderheiten, an denen man sonst achtlos vorbeimarschiert: einen besonderen Baumstumpf, eine leuchtend rote Beere, weiches hellgrünes Moos. Sie regt mich an Fundstücke in die Hand zu nehmen, sie zu befühlen, zu empfinden, daran zu riechen, auch mit geschlossenen Augen. Ein großes Stück Baumrinde, geformt wie eine Schale, dass wir am Wegesrand entdecken, fasziniert mich besonders. Mit der Hand streiche ich über die Oberfläche, an der Außenseite fühlt es sich rau an und auf der Innenseite glatt und sogar etwas weich. Ein ganz neues Gefühl, mit den Händen, diesen Gegensand zu erforschen und keine zweckgebundenen Bewegungen mit ihnen auszuführen wie meist sonst. Ich beschließe künftig meinen Händen und damit auch mir mehr Zeit zu gönnen zum Erspüren, Erfühlen und Wahrnehmen.

Einige Zeit bewegen wir uns, jeder in seinem eigenen Tempo fort, auch abseits des Weges. Erstaunlich, wie unterschiedlich es im Wald riecht, wenn man darauf achtet, nach Harz, leicht vermodert, nach Pilzen, auch wenn ich gerade keine entdecke. Ein großer Baumstumpf am Wegrand lädt mich ein auf ihm Platz zu nehmen. Es fühlt sich gut an einfach nur zu sein, die Blätter in meiner Hand zu betrachten, zu spüren und mir ihre Geschichte erzählen zu lassen.  

Sehr behutsam und leise frägt mich Viola nach einigen weiteren hundert Metern, ob ich zu einer Übung bereit wäre. Nach kurzem Zögern lasse ich mich auf das Experiment ein, mit geschlossenen Augen, und nur durch Violas Hand, die mir durch leichtes Klopfen auf die eine oder andere Schulter die Richtung anzeigt, weiter zu gehen. Es bedeutet Kontrollverlust und ist eine Schulung des Vertrauens. Noch viel intensiver nehme ich jetzt die Beschaffenheit des Untergrundes wahr, über den ich mich sehr langsam und erst mal mit nicht sehr stabilem Gleichgewicht fortbewege. Ich könnte natürlich jederzeit die Augen öffnen, doch nach den ersten Momenten, es nur interessant zu finden, fühle ich mich wohl, fühle mich wie in einem Kokon aus Dunkelheit, wo ich nichts anderes machen muss als einen Fuß vor den anderen zu setzen. Einfach nur sein, damit möchte ich gar nicht wieder aufhören.

Die Musik von Regentropfen auf den Blättern animiert mich, dann doch wieder die Augen zu öffnen. Überrascht finde ich mich ganz am Rande des Weges wieder. Gefühlt bin ich immer ziemlich geradeaus in der Mitte des Weges gegangen.

An einem geeigneten Platz, mit locker stehenden Bäumen, zeigt mir Viola eine Entspannungsübung aus dem Qi-Gong für die Augen: das „Goldene Fingertor“, das die Sehkraft stärken soll.

Zuerst soll ich meine Schultern lockern und dann beide Hände so halten, dass die Zeigefinger nach oben zeigen. Den rechten Finger dann in 10 bis 15 cm Entfernung mittig vor die Augen halten, den linken Arm ganz ausstrecken und den Zeigefingen genau in der Linie vor den rechten positionieren. Nun den weiter entfernten Finger fokusieren und man kann feststellen, dass der rechte, der nähere Finger zweimal zu sehen ist, quasi ein Tor bildet und dazwischen der weiter entfernte Finger zu sehen ist. Diese Übung ist mir nicht gelungen, der nähere Finger blieb einzeln, es bildete sich kein Tor. Auch beim Hin-und-her-Wechseln des Blickes – Einatmen und zum nahen Finger schauen, Ausatmen und zum fernen Finger schauen, tat sich nix. Viola zeigte auf einen ein paar Meter entfernten Baum, der nun den, am linken Arm, ausgestreckten Finger ersetzen sollte. Ich habe es einige Zeit probiert, doch auch da erschien das Fingertor nicht. Erst zuhause nach einigem Üben hat es dann tatsächlich geklappt.

Weiter auf unserem Weg entdecken wir große Baumstämme, aufgeschichtet wie eine Schaukel, eine „Waldschaukel“. Der Duft nach Harz wird immer stärker, je näher wir kommen. Intensives Riechen, eine weitere Sinnesübung bietet sich hier, in der von Terpenen geschwängerten Luft, an. Mit der Nase direkt am Baumstamm, die Lungen füllen mit dem wohltuenden, heilsamen Duft. Sehr wichtig ist es, nicht von der falschen Seite den aufgeschichteten Bäumen nahe zu kommen oder gar auf die „Waldschaukel“ zu klettern, um nicht von sich lösenden, rollenden Baumstämmen verletzt zu werden.

In der Nähe der Stämme setzen wir uns auf Baumstümpfe und beenden unser „Waldbad“ mit einer Wald-Duft-Meditation. Jede Zelle des Körpers wollen wir füllen mit dem „Atem der Bäume“.

Und nach etwa drei Stunden ist er dann vorbei, dieser Weg ohne Ziel. Ich bedanke mich bei Viola für diese wohltuende Zeit, bin mir sicher, im Wald gebadet habe ich nicht das letzte Mal und mehr denn je ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist den Wald zu schützen, weil er uns gut tut und uns so viel zurück gibt.

Eine umfangreiche Vorbereitung für das „Waldbaden“ braucht es nicht. Wichtig ist der Witterung angepasste bequeme Kleidung und Schuhwerk, denn Waldbaden kann man bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Man muss auch nicht besonders fit dafür sein, denn es kommt ja nicht aufs Tempo an oder darauf ein kilometerweit entferntes Ziel zu erreichen. Sondern den Wald zu erleben als Ort der Ruhe und der Kraft. Wichtig ist es sich einzulassen auf das was um einen herum und mit einem geschieht.

Weitere Informationen
Die nächsten WALDBADEN-Termine sowie andere Angebote z.B. QI-GONG-Kurse, Genusstouren oder Kostümführungen in Bad Mergentheim von Viola Beier-Brunner
www.mittelpunktreisen.com
info@mittelpunktreisen.de
Telefon +49 79 31 – 27 43 oder +49 171 – 3 73 74 88  

Tourismusverband „Liebliches Taubertal“ e.V.
Telefon +49 9341 825806
www.liebliches–taubertal.de

Deutsche Akademie für Waldbaden
Telefon Büro:  +49 (0) 6341 70 800 -60
www.waldbaden-akademie.com
info@waldbaden-akademie.com
Inhaberin & Geschäftsführung: Jasmin Schlimm-Thierjung 

Autorin: Marianne Riermeier

Viola Beier-Brunner ist eine, der speziell für das „Liebliche Taubertal“, in Zusammenarbeit mit der „Deutschen Akademie für Waldbaden“ in Landau, ausgebildete Waldbadebegleiterin - Marianne Riermeier
Ein großes Stück Baumrinde, geformt wie eine Schale, dass wir am Wegesrand entdecken, fasziniert mich besonders - (c) Marianne Riermeier
Erstaunlich, wie unterschiedlich es im Wald riecht, wenn man darauf achtet, nach Harz, leicht vermodert, nach Pilzen - (c) Marianne Riermeier
Viola zeigt mir eine Entspannungsübung aus dem Qi-Gong für die Augen: das „Goldene Fingertor“, das die Sehkraft stärken soll - (c) Marianne Riermeier
Ein großer Baumstumpf am Wegrand lädt mich ein auf ihm Platz zu nehmen - (c) Marianne Riermeier
Weiter auf unserem Weg entdecken wir große Baumstämme, der Duft nach Harz wird immer stärker, je näher wir kommen - (c) Marianne Riermeier
Weiter auf unserem Weg entdecken wir große Baumstämme, aufgeschichtet wie eine Schaukel, eine  „Waldschaukel“ - (c) Marianne Riermeier
Jede Zelle des Körpers wollen wir füllen mit dem „Atem der Bäume“ - (c) Marianne Riermeier