Auf Trekkingtour rund um den Manaslu in Nepal

Der wortwörtliche Höhepunkt des Trekkings - der 5.106 m hohe Larke La Pass - (c) Christine Kroll

Nepal ist eines der faszinierendsten Länder der Welt. Mit nicht einmal 150.000 km² ist das Binnenland etwas größer als Griechenland und ist dabei Heimat von über 100 verschiedenen ethnischen Gruppen. Diese sprechen noch mehr verschiedene Sprachen und Dialekte, was dem Reisenden natürlich nicht auffällt, da er keine davon versteht. Nepal ist ein junges Land, der Altersdurchschnitt der Bevölkerung liegt nur bei etwa 25 Jahren und der Anteil der über 64-jährigen ist mit rund 6% sehr gering. So vielfältig wie Nepals Kulturen ist auch die Küche, jede Volksgruppe hat ihre eigenen Gerichte, die von Landschaft und Klima der jeweiligen Region bestimmt werden. Denn auch landschaftlich ist Nepal vielfältig: Im Süden zieht sich das Terai entlang der indischen Grenze. In dieser fruchtbaren Tiefebene leben 47% der 30 Mio. Einwohner, denn hier herrschen die besten Bedingungen für Landwirtschaft und auch die Industrie Nepals hat sich in der Region angesiedelt. Das Mittelland zieht sich als schmaler Streifen durch Nepals Mitte, hier befindet sich die Hauptstadt Kathmandu mit dem einzigen internationalen Flughafen des Landes. Im Norden schließt sich dann das Hochgebirge an, das an China grenzt und mit sieben der zehn höchsten Berge der Erde aufwarten kann. Das Hochgebirge ist dünn besiedelt und der Hauptanziehungspunkt für viele Reisende, die auf einem Trekking oder beim Bergsteigen die Bergriesen erkunden wollen. 

Der Manaslu Circuit Trek
Der Mount Manaslu ist mit 8.163 m der achthöchste Berg der Erde. Der Name entstammt dem Sanskrit und bedeutet “Berg der Seele”. Wer den schönen Berg mit seinen zwei Gipfeln - Manaslu Himal und Manaslu North - nicht besteigen will, kann ihn in zehn bis zwölf Tagen auf dem Manaslu Circuit Trek umrunden. 

Der Start der Wanderung ist in Maccha Khola auf 870 m Höhe. Langsam aber sicher arbeitet man sich in ca. acht Tagen hinauf bis zum höchsten Punkt des Trekkings, dem Larke La Pass mit 5.106 m Höhe. Der Abstieg nach Dharapani auf 1.888 m Höhe erfolgt dann in ca. vier Tagen relativ zügig. Insgesamt überwindet man bei dem Trekking etwa 9.000 - 10.000 Höhenmeter und um die 170 km, je nachdem wie viele Abstecher man unterwegs noch macht.

Die Wanderung führt durch mehrere Klima- und Vegetationszonen. Maccha Khola liegt in einer feuchten, tropischen Zone mit üppiger Vegetation aus dichten Bäumen, Bambushainen, Orchideen und Obstplantagen. Auf rund 1.500 m Höhe taucht man in die Zone der Bergwälder ein. Die Luft wird spürbar kühler und man wandert durch dichte Rhododendron-, Eichel- oder Kiefernwälder. Besonders im Frühjahr ist die Farbenpracht hier besonders schön. Ab 3.000 m Höhe schließt sich die subalpine Zone an. Der Wald lichtet sich und macht Platz für einzelne kleinere Bäume, wie die Himalaya-Birke, Wacholder oder Tannen. Auf 4.400 m passiert man dann die Baumgrenze und erreicht die Alpine Zone. Hier wachsen nur noch flache Büsche und Moose sowie einige kälteresistente Pflanzen wie das Edelweiß. Rund um den Larke La Pass auf 5.106 m befindet man sich dann bereits im ewigen Eis. Auch wenn nicht immer alles hier oben schneebedeckt ist, gibt es hier bis auf ein paar Flechten praktisch keine Flora mehr. Die Landschaft besteht aus Fels, Geröll, Gletschern und Schnee. Beim Abstieg erlebt man das alles noch einmal in umgekehrter Reihenfolge. 

Je nach Planung kann man den Manaslu Circuit Trek in zehn bis zwölf Etappen begehen. Im Aufstieg ist es wichtig, nicht zu schnell an Höhe zu gewinnen und ab etwa 3.000 m auch Akklimatisationszeit einzuplanen, um sich langsam an den fehlenden Sauerstoff in der Luft zu gewöhnen. In den ersten Tagen gewinnt man noch relativ schnell an Höhe und überwindet in stetigem Auf und Ab über 1.000 Höhenmeter pro Tag. Ab einer Höhe von ca. 3.500 m kommt man dann deutlich langsamer voran und merkt von Tag zu Tag, dass der Sauerstoff weniger wird. 

Von Maccha Khola folgt man dem Budhi Gandaki Fluss tiefer in das Tal hinein. Der Fluss begleitet die Trekker bis kurz vor dem Pass und wird im Verlauf der Wanderung mehrfach auf beeindruckenden Hängebrücken überquert. Die ersten Etappen führen über die kleinen Ortschaften Jagat, Deng und Namrung zunächst noch zügig bergauf. Die Tage sind lang: Acht bis zehn Stunden inklusive einer Mittagspause ist man in der Regel unterwegs. Auch wenn der nächste Ort meist nur 700 - 800 Höhenmeter höher als der vorherige liegt, liegt die Tagesleistung meist bei 1.200 - 1.500 Höhenmetern, da es immer wieder in Senken oder zum Fluss hinab und anschließend wieder bergauf geht.

Am 4. oder 5. Tag erreicht man, je nach Planung der Etappen, Shyala oder Samagoan auf 3.500 m Höhe. Hier ist die Zeit für einen ersten Stopp zur Akklimatisation gekommen. Man bleibt für zwei Nächte im gleichen Ort und macht am freien Tag einen Ausflug zu einem höher gelegenen Ziel, um zum Schlafen dann wieder nach Shyala oder Samagoan zurückzukehren. “Go high - sleep low” - hoch hinauf gehen und niedrig schlafen - so lautet ein wichtiger Merksatz für die Akklimatisierung. Beide Orte sind relativ groß und verfügen über ein aktives Dorfleben, so dass man hier einen schönen Einblick in das einfache Leben der Menschen in diesen Höhenlagen bekommt. 

Ein lohnender Tagesausflug, bei dem man das erste Mal die Luft über 4.000 m Höhe schnuppert, ist die Wanderung zum Kloster Pungyen Gompa. Das über 500 Jahre alte Kloster liegt auf einem wunderschönen Plateau auf 4.000 m Höhe unterhalb des Mount Manaslu. Das Kloster gewährt einen kleinen Einblick in die Kultur der Buddhisten in dieser Region. Auf der gesamten Wanderung hat man einen beeindruckenden Blick auf den markanten Doppelgipfel des Manaslu und seine herabfließenden Gletscher. 

Nun fehlen nur noch zwei Etappen, bis schließlich der Larke La Pass überquert wird. Die meisten Trekker gehen am nächsten Tag nach Samdo auf 3.890 m Höhe. Wer mag, kann auch hier noch einmal zwei Nächte bleiben und einen Ausflug mit Maultieren zur tibetischen Grenzen unternehmen und sich weiter zu Akklimatisieren. 

Die letzte Station vor dem Pass ist Dharamsala oder Larkya Phedi auf 4.470 m Höhe. Hier verbringen wir die einzige Nacht auf über 4.000 m Höhe und befinden uns nun in einer unwirtlichen Landschaft inmitten der Eisriesen des Himalaya. Phedi bedeutet übersetzt „Fuß eines Berges“ und ist oft Namensbestandteil von Siedlungen auf Trekkingrouten oder vor Passhöhen. Dharamsala besteht nur aus einer Hand voll flacher Gebäude, in denen die Trekker unter einfachsten Bedingungen untergebracht sind. Je nach Saison und Wetterlage ist die Landschaft karg und braun oder unter einer dichten Schneedecke versteckt. 

Dann ist der große Tag gekommen: Die Wecker klingeln früh und spätestens um 04.00 Uhr machen sich die meisten Trekker auf den Weg in Richtung Pass. In einer immer wieder unterbrochenen Kette bewegen sich die Stirnlampen der Trekker wie Glühwürmchen den Weg entlang. Es geht langsam voran, das Atmen fällt merklich schwer. Irgendwann hebt sich die Dunkelheit und hinter den schneebedeckten Bergen geht plötzlich die Sonne auf und taucht die ganze Szenerie in ein warmes Licht. Und dann sieht man endlich in der Ferne die Passhöhe - geschafft: der Larke La Pass auf 5.106 m Höhe ist erreicht. Oben heißt es dann: freuen, staunen und den einmaligen Moment genießen. Natürlich muss das obligatorische Foto gemacht werden und im Idealfall hat man eine Reihe Gebetsfahnen mitgebracht, die man bei den tausenden anderen befestigt, um seine Gebete und Wünsche vom Wind möglichst weit tragen zu lassen. 

Meist bläst am Pass ein kalter Wind und so machen sich die meisten Trekker nach einer Weile an den Abstieg. Es geht zunächst über große Felsblöcke, die bei unserem Besuch komplett verschneit waren. Während der Aufstieg zum Pass relativ flach war, geht es nun zunächst steil bergab, bevor es auf Höhe einer Gletschermoräne wieder flacher wird. Die erste Ansiedlung unterhalb des Passes ist Larche auf 4.400 m Höhe. Larche besteht nur aus ein paar Lodges und die meisten Trekker legen hier nach dem anstrengenden Pass eine Pause ein. Anschließend geht es weiter bis nach Bimtag, wo man auf 3.700 m schon wieder unterhalb der 4.000 m-Marke übernachtet. 

Der Rest des Abstiegs geht dann zügig, da man nach dem Pass nicht mehr auf die Höhe achten muss und wieder im normalen Tempo unterwegs ist. In der Regel macht man eine weitere Übernachtung im Örtchen Gho, um dann am letzten Tag nach Dharapani auf 1.885 m Höhe abzusteigen, wo man sich von einem Jeep abholen lassen kann. Der weitere Weg ist seit dem voranschreitenden Ausbau der Straße in das Tal hinauf, nicht mehr attraktiv.

Gut zu wissen
Ein Trekking in den hochalpinen Regionen Nepals ist eine anspruchsvolle Unternehmung. Zwar ist man immer auf guten Wegen und Pfaden unterwegs, muss nicht klettern oder ein Seil verwenden, die langen Tage, einfachen Verhältnisse und die Höhe verlangen dem Körper allerdings einiges ab. Gut trainierte Wanderer sollten aber i.d.R. kein Problem haben, die Runde zu bewältigen. Vor der Höhenkrankheit ist dabei niemand gefeit, ob es einen trifft, stellt man aber erst vor Ort fest. Hier helfen weder Kondition noch regelmäßiges Training in den heimischen Bergen. 

Für die Manaslu Umrundung benötigt man mehrere Genehmigungen für die verschiedenen Schutzgebiete, durch die das Trekking führt. Diese Genehmigungen erhält man nur, wenn man die Buchung eines Guides vorweisen kann. Es ist nicht erlaubt, den Manaslu Circuit Trek ohne Guide zu gehen, was auch viel Sinn macht. Der Guide kennt die Berge wie seine Westentasche und kann helfen, wenn unterwegs Probleme auftauchen. Zudem wird in den Unterkünften und Dörfern fast kein Englisch gesprochen, so dass der Guide auch als unverzichtbarer Übersetzer im Einsatz ist. Nicht verpflichtend ist das Buchen eines Trägers für das Gepäck. Auch dies ist empfehlenswert, da man seinen Schlafsack sowie Kleidung für mehrere Klimazonen dabei haben sollte. Die Runde ist auch ohne einen schweren Rucksack auf dem Rücken für die meisten Trekker anstrengend genug. Zudem gibt man einem weiteren Nepali Arbeit. 

Unterkunft und Essen
Die Unterkünfte auf dem Manaslu Circuit Trek sind “Tea Houses” genannte Gasthäuser, die es in jedem Dorf entlang der Strecke gibt. Hier gibt es einfache private Zimmer und geteilte Sanitäranlagen. Diese bestehen i.d.R. aus asiatischen Hockklos und Waschbecken im Flur. Je nach Höhenlage gibt es ggf. noch eine kalte oder warme Dusche, die meistens bezahlt werden muss. Die Tea Houses dienen auch der Verpflegung an der Strecke. Abendessen und Frühstück nimmt man in seiner Unterkunft ein und auch mittags wird unterwegs ein Tea House zum Mittagessen angesteuert. Die Karte sieht in fast jeder Lodge gleich aus. Allem voran steht das nepalesische Nationalgericht Dal Bhat, eine große Platte, auf der man Reis, Linsensuppe - das Dal -, ein Kartoffelcurry und je nach Wunsch ein weiteres Curry mit Gemüse oder Hühnchen bekommt. Dazu gibt es eine große Auswahl an Curries, gebratene Nudeln oder Reise, aber auch westliche Gerichte wie Spaghetti oder Pizza. 

An- und Abreise
Der einzige internationale Flughafen Nepals liegt in der Hauptstadt Kathmandu. Jede Reise beginnt und endet also automatisch hier. Für den Weg von Kathmandu in Richtung Himalaya gibt es verschiedene Optionen: die bequemste, aber auch teuerste, ist ein privater Jeep-Transfer von Kathmandu nach Maccha Khola und wieder zurück von Dharapani nach Kathmandu. Günstiger, aber auch komplizierter ist die Fahrt mit dem öffentlichen Bus. Hier ist eine ordentliche Portion Abenteuergeist gefragt. Die Busse sind oft überfüllt, man muss mehrmals umsteigen und auf den schmalen Schotterpisten im Gebirge, die schon mit dem Jeep kein Spaß sind, schwankt der Bus ganz gewaltig.

Über den Autor*Innen

Wanderfreak Autorin Christine Kroll

Christine Kroll

Mit einer Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und anschließendem Studium der Tourismuswirtschaft hat Christine nach dem Abitur ihr Hobby Reisen zum Beruf gemacht. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als Produktmanagerin bei verschiedenen Reiseveranstaltern. In ihrer Freizeit ist Christine am liebsten draußen. Je nach Saison findet man sie zu Fuß, mit dem Mountainbike oder auf (Touren-)Ski in den Bergen. Egal ob in den heimischen Alpen oder auf einer ihrer Reisen in Europa und der Welt, draußen aktiv zu sein gehört für Christine immer dazu.