Kann man bei Wanderschuhen noch Neues erfinden? „Yes, they can!“ Hanwag, der bayrische Bergschuhpionier aus Vierkirchen bei Dachau hat einige Details am Schuh neu gedacht, heraus kam die Kaduro-Serie mit den Modellen Kaduro Light, Kaduro Low und Kaduro Mid GTX. Den halbhohen Wanderschuh haben wir ausgewählt und einige Wochen lang auf Wanderungen sowie Bike & Hike-Touren intensiv getestet.
Ein paar Stichworte zur Technik
Hanwag hat mit dem Chemiekonzern BASF zusammen eine neue Zwischensohlen-Technologie entwickelt. Die BEAD-Technologie kombiniert stabiles Polyurethan mit kleinen, schaumartigen Kunststoffperlen. Diese Kombi soll zur besseren Dämpfung führen, d.h. das Gehen dynamischer und weniger ermüdend machen. Ansonsten ist der Kaduro wohl ein echter Europäer: Das Veloursleder stammt aus Südtirol, das Textilgewebe aus der Toskana, die Schnürsenkel kommen aus Süddeutschland, gefertigt wird in Kroatien.
Der Kaduro Mid GTX in der Praxis
Was sofort auffällt: Dieser wasserdichte Schuh ist vergleichsweise leicht für einen Wanderschuh. Die Schnürsenkel sind breit und robust – bei kleineren Schuhgrößen ggf. etwas lang. Der Einstieg in den Schuh ist problemlos. Für empfindliche Füßchen könnte der obere Schuhrand für längere Touren vielleicht etwas weicher sein. Die Schnürung hält den mittelhohen Schuh fest, aber druckfrei am Fuß. Manche Bike&Hiker wünschen sich ggf. noch einen Schnürsenkel-Gummi zur Befestigung, aber es ist ja schließlich kein spezieller Bike-Schuh. Doch der Kaduro leistet auf dem Tourenrad oder (E-) durchaus gute Dienste, d.h. die Sohle ist nicht zu hart und nicht zu weich beim Pedalieren.
Tested on Tour
Die ersten Touren führten in diesem Frühling und Sommer per Mountainbike und Tourenrad durch das hügelige bayrische Oberland und den Pfaffenwinkel zwischen Ammersee, Staffelsee, Riegsee, Lech und Kochelsee. Mehrere 60 bis 80 km lange Radtouren mit anschließenden 5 bis 10 km langen Fußmärschen standen auf dem Programm. Trotz zum Teil recht hoher Lufttemperaturen kam es zu keiner unangenehmen „Überhitzung“ im Schuh. Und nach der Tour zeigten sich die Füße auch nur wenig angestrengt. Genauso ging es mir bei einer Wandertour auf den Hohenpeißenberg. Danach habe ich den Anspruch etwas hochgeschraubt: Bike&Hike-Tour ins Mieminger Gebirge. Das heißt mit dem (E-)-Mountainbike von Ehrwald (995 m) über die Ehrwalder Alm zum Seebensee. Von dort weiter etwa 45 Minuten zu Fuß ein steiler Aufstieg zur Coburger Hütte (1917 m). Während auf guten Wanderwegen der Kaduro sehr sicher und komfortabel ist, merkt man auf gerölligen, felsigen Steigen, dass hier insbesondere die Sohle an ihre Grenzen stößt. Dafür scheint die Materialmischung zu weich zu sein. Hin und wieder spürt man auch die Steine durch und der Grip lässt nach.
Danach wollte ich die Anforderung noch etwas steigern auf einer langen Wandertour im Tiroler Gaistal bei Leutasch. Der Untergrund der Wege am Wettersteingebirge Richtung Wettersteinhütte und Rotmoosalm war in diesem Fall nicht allzu felsig und geröllig, aber es kamen letztendlich mehr als 1000 Höhenmeter und rund 20 Kilometer zusammen. Und ich war am Ende der langen Tour überrascht: Der Tragekomfort konnte mit anderen Wander- bzw. Bergschuhen nicht nur mithalten, sondern war sogar etwas besser. Ein sehr positives Ergebnis, das sich sicherlich mit dem leichten Gewicht und der guten Sohlendämpfung erklären lässt.
Fazit
Der Hanwag Kaduro G TX Mid ist tatsächlich eine gute, sinnvolle Innovation für eine bestimmte Zielgruppe, das heißt für Biker und Hiker, die gerne mit leichtem bis mittelschwerem Rucksack ausgedehnte Tages- oder auch mal eine Wochenendtour unternehmen möchten. Für diese Zwecke zeigt der Schuh einen überzeugenden Tragekomfort.
Für längere Touren auf felsigen Steigen im Hochgebirge, vielleicht noch mit schwerem Trekkingrucksack ist er nicht ausgelegt.
Mein persönlicher Tipp: Der wasserdichte, aber recht atmungsaktive Hanwag Kaduro GTX Mid eignet sich auch als praktischer Multifunktionsschuh für den Alltag in Herbst und Winter. Vielversprechend ist auf jeden Fall, dass der Kaduro auch nach Verschleiß von Hanwag neu besohlt bzw. repariert werden kann. Über eine Langzeiterfahrung kann ich hier (noch) nicht berichten. Aber ich bin gespannt, ob sich der Kaduro Mid GTX ähnlich robust und nachhaltig erweist, wie meine Hanwag-Bergschuhe.
Facts
Den Hanwag Kaduro gibt es in den drei Modellvarianten Light, Low und Mid, jeweils in Ausführungen für Männer und Frauen.
In unserem Test war der über die Knöchel hohe Kaduro GTX Mid (zwei Farben). Das Gewicht liegt bei ca. 810 bis 880 Gramm je nach Schuhgröße.
Es gibt den Schuh in den Größen 6,5 -13 (Männer) und 3,5 - 9 (Frauen). UVP 250 Euro.
Bezugsquellen sind Outdoor-Fachgeschäfte wie www.bergzeit.de oder direkt bei Hanwag unter www.hanwag.com.
Über den Autor*Innen
Armin Herb
Seit Kindheitstagen sitzt der studierte Geograf auf dem Fahrrad und erkundet die Landschaft in Nah und Fern. Allerdings ist er auch gerne zu Fuß unterwegs, insbesondere in den Alpen und im Schwarzwald. Er publizierte rund zwanzig Bücher zum Thema Radfahren und Mountainbiken und schreibt bis heute Beiträge über Reisen, Radfahren, Wandern und Wintersport für Tageszeitungen, Online-Portale und Fachmagazine.