Klima Botschafter im Fokus

Klima Botschafter im Fokus - „Bei diesem ersten Kurs handelt sich um ein Pilotprojekt“ - (c) Sabine Zoller

Die bundesweit wohl einzigartige Ausbildung zum Klimabotschafter hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ins Leben gerufen. Erstmals werden 16 Schwarzwald-Guides in sechs Unterrichtsmodulen von ausgewiesenen Experten weitergebildet, um Themen wie Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung als Multiplikatoren in die Gesellschaft zu tragen. Getreu dem Motto „Zukunft gemeinsam gestalten“ wurde vor knapp einem Jahr der Naturpark-Plan 2030 zur beschlossenen Sache und damit die Ausbildung zum Klimabotschafter Teil eines Klimaprojekts, das zu Beginn des Jahres Anfang des Jahres gestartet wurde.

Pilotprojekt
„Bei diesem ersten Kurs handelt sich um ein Pilotprojekt“, berichtet Roswitha Hild aus Calw, die sich begeistert über diese interessante und vielseitige Ausbildung äußert, die durch die Landesforstverwaltung gefördert wird. „Mit dieser Idee wollen wir als Naturpark Multiplikatoren ausbilden, um Menschen für das Thema Klimawandel zu sensibilisieren und aufzuzeigen, welche Veränderungen klimatischer Art bereits bei uns in der Region erkennbar sind“, berichtet Florian Schmid. Als Projektmanager ist er zuständig für die Ausbildung von aktuell 16 Klimabotschaftern, die vom Kinzigtal bis nach Pforzheim die gesamte Region des Naturparks abdecken. „Dazu führen wir gemeinsam mit Praktikern und Experten aus der Wissenschaft vier Thementage durch und beschäftigen uns an sechs Ausbildungstagen mit praxisbezogenen Schwerpunktthemen wie Landwirtschaft, Moore, Gewässer und Wald.“

Zentaler Bestandteil der Ausbildung ist das Erleben bestehender klimatischer Veränderungen sowie das Wissen um zukünftige Entwicklungen in den verschiedenen Natur- und Kulturräumen des Naturparks. „Die Ausbildung zeigt die Rolle und die Potenziale der Themenfelder für den Klimaschutz auf“, berichtet Monika Amann aus Bad Herrenalb, die ihren Fokus bislang auf Wald und Wiesen gerichtet hat.
Thementag Wasser

Am dritten Thementag galt der Fokus den Fließgewässern, die als Lebensadern der Landschaft wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen sind. Da oftmals der natürliche Lauf der Gewässer durch Flussbegradigungen verändert wurde, wird beispielsweise die Wanderung von Fischen verhindert und natürlichen Lebensräume zerstört. Zudem ist das Wasser belastet mit organischen Materialien, die durch Bakterien abgebaut werden und die wiederum brauchen Sauerstoff. Für Anita Splitthof aus Alpirsbach ein nachvollziehbarer Kreislauf, denn „sauberes Wasser und ein ökologisches Gewässerbett ist für diese Lebewesen lebensnotwenig.“

Für das komplexe Thema der Gewässerökologie war Renate Semmler-Elpers von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) vor Ort an der Würm, um „die Organismen, die im Gewässer leben vorzustellen und wie sich der Klimawandel auf diese Situation im Gewässer vermutlich auswirken wird.“
Externe Spezialisten
 
Die Fachbehörde, die sich mit Gewässern und Klimawandel auseinandersetzt, ist zuständig für die Landesgewässer in Baden-Württemberg und hat bereits viele Veränderungen beobachtet. Als promovierte Hydrologin ist Manuela Nied von der LUBW in der Hochwasservorhersage beschäftigt. Sie zeigt Szenarien auf, wie sich in Zukunft nicht nur Extremereignisse häufen, sondern auch künftige Hoch- und Niedrigwasser entwickeln werden. Da sich die Häufigkeit und die Niederschlagsverteilung auf die Fließgeschwindigkeit der Gewässer auswirkt, gab Umweltingenieur Martin Reil von der LUBW Einblick in die Erhebung von Daten und die Prüfung der Ergebnisse an den Pegeln von Fließgewässern. „Das ist mega spannend“, erklärt Vanessa Lotz von der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald, die als ausgebildeter Schwarzwald Guide ebenfalls die Ausbildung zum Klimabotschafter absolviert, um Einblicke in diesen Themenbereich zu bekommen. „Ich wandere gerne am rauschenden Bach, aber dass der Klimawandel die Wassertemperaturen, Wassermangel und Hochwasser beeinflusst und den Lebensraum Fluss gefährdet, das habe ich nicht vermutet.“
 
Nach der Ausbildung sollen die Klimabotschafter in der Lage sein, bestehende klimatische Veränderungen in der Region zu erkennen, zu verstehen und für andere sichtbar zu machen. „In Zukunft werde ich bei meinen Führungen dieses wichtige Thema anbieten, um mich als Klimabotschafter einzubringen“, so Beatrice Zotti aus Bad Wildbad, die so dazu beiträgt das abstrakte Thema Klimawandel greifbar zu machen und dadurch das Bewusstsein für Klimaschutz zu stärken.

Über den Autor

Sabine Zoller

Sabine Zoller lebt im Schwarzwald und hat sich als Historikerin intensiv mit der Region beschäftigt. Als freie Journalistin schreibt sie für verschiedene online Portale, Magazine und Tageszeitungen. Kultur, Handwerk und Brauchtum fasziniert Sie ebenso wie gute Küche und Natur. Ihre Berichte beschäftigen sich mit landschaftlich reizvollen Regionen und lukullisch attraktiven Stationen und machen Lust auf Reisen.