Wandern im Vogelsberg – Die Gipfeltour Schotten

Der Vogelsberg liegt ziemlich genau in der Mitte Deutschlands, nördlich von Frankfurt am Main in Hessen - Wandern im Vogelsberg – Die Gipfeltour Schotten - (c) Gabi Vögele

„Wandern wo?“ Das ist eine oft gestellte Frage, wenn ich von meinen Wanderungen und Radtouren im Vogelsberg erzähle. Selbst unter Wanderfreunden ist dieses Mittelgebirge noch ein absoluter Geheimtipp. Aber genau das macht auch seinen Charme aus. Für mich jedoch ist der Vogelsberg noch weit mehr, er ist ein Stück meiner Kindheit. Aufgewachsen in Alsfeld, ging es hier mit meinen Eltern und Geschwister zum Wandern, zum Rodeln und Skifahren.

Zentral gelegen in der Mitte Hessens
Der Vogelsberg liegt ziemlich genau in der Mitte Deutschlands, nördlich von Frankfurt am Main in Hessen. Jeweils etwa 400 bis 450 km von Hamburg, Berlin, München, Freiburg, Brüssel oder Amsterdam entfernt, ist der Vogelsberg für Wanderfreaks aus Deutschland, Belgien und Holland sehr gut zu erreichen.

Das größte zusammenhängende Vulkangebiet Europas
Mit 2.500 km² ist der Vogelsberg das größte zusammenhängende Vulkangebiet Europas. Und bietet so neben seiner unberührten Natur gerade auch für Fans der Erdgeschichte viele Möglichkeit eine Zeitreise in eine Periode zu unternehmen, als der Vogelsberg noch Lava spuckte. Im Geopark Vulkanregion Vogelsberg kann man dies vielfältig erleben.

Die Gipfeltour Schotten
Wir haben uns für die Gipfeltour Schotten entschieden, die uns durch eine sanfte Natur vorbei an Beispielen der Vulkanaktivitäten wie dem Bilstein führt und am Ziel in Schotten im Vulkaneum noch einmal wissenschaftlich unsere Zeitreise aufarbeitet lässt.

Vom Taufstein zum Hoherodskopf
Pünktlich um 8:30 Uhr holt uns die Naturparkführerin Karin Bochenek, an der Taufsteinhütte, unserem Nachtquartier ab. Wir wandern die ersten Meter bis zum Hoherodskopf und genießen die morgendliche Stimmung mit vereinzelnden Nebelschwaden über den sanften Hügeln des Mittelgebirges. Der Hoherodskopf ist der wohl bekannteste Berg des Vogelsberg. Wenige Meter höher und damit der höchste Berg des Vogelsberg ist allerdings der Taufstein. „Der Vogelsberg ist das gesamte Mittelgebirge kein einzelner Berg“, erklärt uns Karin Bochenek, „vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb viele den Vogelsberg auf der Landkarte nicht richtig einordnen können.“ Am Hoherodskopf machen wir noch einen Abstecher in das Informationszentrum Hoherodskopf und die Naturerlebnisausstellung. Hier erhält der Gast sämtliche Informationen zur Urlaubsregion und einen vielfältigen Einblick in das Naturerlebnis Vogelsberg.

Weiter geht es über Bergmähwiesen. Auf diesen Hängen habe ich meine ersten Schwünge auf Skiern gemacht und tatsächlich steht noch das Kiosk an dem ich nach einem anstrengenden Skitag immer meinen heißen Florida Boy, ein Orangengetränk, bekommen habe. Für uns geht es heute aber ohne das geliebte Heißgetränk weiter durch die Wiesenflächen bergab, bevor wir auf einen Forstweg abbiegen und den Wald erreichen. „Bergmähwiesen sind ein stark gefährdeter Lebensraum“, erklärt uns Karin Bochenek. „Sie werden keiner intensiven Nutzung durch die Landwirte unterworfen und so haben die Blumen, Gräser und Kräuter genügend Zeit ihre Samen zu entwickeln und wieder in den Lebenszyklus einzubringen. Auch die Vögelwelt profitiert vom späten Heumachen, Bodenbrüter haben hier einen Rückzugsort und können ihren Nachwuchs ausbrüten und aufziehen, ohne dass die Gelege bereits im Mai von den Mähwerken der Traktoren zerstört werden.“ Die große Vielfalt an Blumen, Kräutern, Gräsern, seltenen Vögel und eine Vielzahl an Schmetterlingen, die wir hier sehen dürfen, unterstreichen die Worte unserer Naturparkführerin. Ein einzigartiger Naturraum in Hessen und Mitteleuropa.

Auf dem Weg zum Bilstein
Durch den Wald wandern wir weiter und erreichen ein weiteres Highlight der Vulkanregion Vogelsberg den Bilstein. Diese markante Basaltfelsgruppe taucht plötzlich aus dem Wald auf. Beeindruckend ist die Felsformation und darüber hinaus ein wunderbarer Aussichtspunkt über die Wetterau bis hin zur Skyline von Frankfurt. Naturparkführerin Karin Bochenek erklärt uns: „Wir sehen hier über die gesamte Wetterau, links neben der Skyline von Frankfurt erblicken wir den Odenwald. Direkt dahinter der Donnersberg in der Pfalz. Rechts, im Westen dominiert der Taunus mit dem Großen Feldberg. Im Nordwesten reicht der Blick bis zum Westerwald, dem Dünsberg bei Gießen und dem Rothaargebirge im äußersten Nordnordwesten.“ Viele Sagen, wie die der ‚Wilden Else‘, ranken sich um diese Basaltfelsen und die Vogelsberger pflegen noch zahlreiche alte Bräuche. So kommen die unverheirateten, jungen Männer aus dem Dorf Busenborn am Pfingstsamstag herauf und stellen eine ‚Maie‘, einen jungen Baum auf dem Bilstein auf. Der Bilstein ist als Geotop aber auch Heimat besonderer Pflanzenarten und Flechten. Wir genießen den Ausblick und die Hausmacher Wurst aus dem Rucksack, bevor wir uns auf den weiteren Weg begeben.

Durch die parkähnliche Landschaft nach Schotten
Noch geht es eine gute Wegstrecke durch den Wald, der immer wieder durch Basaltfelsen unterbrochen wird. Oft mit Moosen bewachsen liegen diese, wie durch Riesen verstreut, zwischen den Bäumen. Moose und Farne verleihen dem Wald eine märchenhafte Kulisse. Man kann sich gut vorstellen, dass hier das tapfere Schneiderlein der Gebrüder Grimm auf seinen Widersacher getroffen ist. Wir verlassen schließlich den Wald und vor uns öffnet sich eine fast parkähnliche Landschaft. Offene Wiesen, zahlreiche meist symmetrisch angeordnete Hecken und große, einzelnstehende Bäume prägen das Bild. Wälle aus Lesesteinen, die über Jahrhunderte von den Bauern aus den Weiden und Feldern (auf)gelesen wurden, spielen bei der Entstehung dieser Landschaft und der Hecken eine wesentliche Rolle, die auch für die Artenvielfalt in diesem Mittelgebirgsraum wesentlich sind. Wir wandern durch die Dörfer Busenborn und Michelbach und sehen uns an einer Scheune den Aufbau der typischen Fachwerkbauten an. In Michelbach verlassen wir die eigentliche Wanderroute und machen uns auf die restlichen Kilometer Richtung Schotten.

Das Vulkaneum
Ziel ist das Vulkaneum in Schotten. Das Museum wurde 2017 eröffnet und bietet den Besuchern in 12 Stationen sich dem Thema des Vulkanismus zu nähern. Eine spannende Zeitreise in der Erdgeschichte zur Entstehung des Vogelsberges. Sehr schon ist das komplexe Thema des Vulkanismus hier aufbereitet und sowohl für Kinder, Jugendliche und Erwachsene verständlich, packend und interessant aufbereitet. Hier erlebt man welche Wichtigkeit die Entstehung des Vogelsberges, des größten Vulkangebietes Europas in der Erdgeschichte des Kontinentes spielt. Und spätestens jetzt fragt keiner mehr: „Wandern wo?“

Wanderfreak-Tipp: Für alle, die diese Wanderung selbst erleben möchten, hier findet man alle wichtigen Informationen rund um die Wanderung ‚GipfelTour Schotten‘, Höhen- und Längenangaben, stichpunktartige Beschreibungen der Wanderung und eine Online-Wanderkarte. Der Wanderer wird hier entgegen des Uhrzeigersinnes geführt. Da wir sowohl den Bilstein sehen als auch das Vulkaneum in Schotten besuchen wollten, sind wir entgegengesetzt in die Wanderung eingestiegen.

Über den Autor

Jörg Bornmann

Als ich im April 2006 mit Wanderfreak an den Start ging, dachte noch keiner an Blogs. Viele schüttelten nur ungläubig den Kopf, als ich Ihnen von meinem Traum erzählte ein reines Online-Wandermagazin auf den Markt zu bringen, welches eine hohe journalistische Qualität aufweisen kann, eine Qualität, die man bisher nur im Printbereich kannte. Mir war dabei bewusst, dass ich Reisejournalisten und Spezialisten finden musste, die an meine Idee glaubten und ich fand sie.