
Immer mehr Menschen entdecken das Gehen in Barfußschuhen für sich. Während Barfußschuhe vor ein paar Jahren noch eine Ausnahmeerscheinung waren, sieht man heute immer öfter Menschen mit Barfußschuhen in den Straßen. Grund genug, dem Trend einmal auf den Zahn zu fühlen und zu testen, ob man mit Barfußschuhen auch eine Wanderung in unwegsamen Gelände unternehmen kann.
Die Hersteller der Leisetreter versprechen eine Verbesserung der Fußgesundheit und ein vollkommen neues Geherlebnis. Durch eine breite Zehenbox und null Sprengung kann sich der Fuß den Platz nehmen, den er braucht, und wird nicht durch die Form des Schuhs begrenzt. Eine dünne Sohle ermöglicht ein natürliches Gehgefühl mit direktem Kontakt zum Untergrund, bei gleichzeitigem Schutz des Fußes vor Steinen, Scherben, etc. Das natürliche Gehen fördert dazu eine gesunde Fußmuskulatur und verbessert die Balance. Das scheint perfekt für ein Bergerlebnis zu sein, auch wenn ich anfangs skeptisch bin, wie es sich anfühlen wird, mit der dünnen Sohle über Stock und Stein am Berg unterwegs zu sein.
Der Test
Mein Testobjekt ist der Schuh Xero Ridgeway, ein leichter, wasserdichter Wanderschuh im Retro-Stil, der sogar optisch etwas her macht und gar nicht so sehr nach alternativem Öko aussieht. Die speziell konzipierte Sohle ist auch nicht so dünn, wie ich erwartet hatte, und bietet mit einem 3,5 mm tiefen Profil auch im Gelände ausreichend Halt. Dennoch fühlt man den Kontakt zum Boden und mein Fuß hat in dem breiten, aber nicht zu breiten Schuh allen Platz, den er für einen entspannten Wandertag braucht.
Für den Test suche ich mir eine meiner Lieblingswanderungen aus: Die Rundtour samt Grat zwischen Heimgarten und Herzogstand am Walchensee. Für den Schuhtest scheint sie mir perfekt, denn vom gemütlichen Forstweg, über mit Wurzeln durchsetzten Passagen, gerölligen Abschnitten und steilen Steigen in Auf- und Abstieg ist bei dieser Tour wirklich alles dabei, was einem Wanderer unterwegs begegnen kann. Dazu kommt als Belohnung für die Mühen eine traumhafte Aussicht auf Walchen- und Kochelsee sowie die höheren Gipfel der Voralpen.
Die Wanderung beginnt sanft und so kann man sich auf einem breiten Forstweg erst einmal gemütlich einlaufen. Bald verlässt man den Forstweg und es geht auf einem Steig steiler bergauf in Richtung Heimgarten. Ich merke gleich, dass ich den Untergrund deutlich mehr spüre als in einem “normalen” Wanderschuh, aber der direkte Kontakt ist nicht unangenehm, sondern erhöht eher meine Trittsicherheit. Das Mehr an Platz für den Fuß geht allerdings ein wenig zu Lasten der Stabilität. Wer zum Umknicken neigt und viel Wert auf einen stabilen Knöchelschutz legt, wird mit einem Barfußwanderschuh sicher nicht gleich warm werden. Der Schuh geht zwar über den Knöchel hinaus und schützt ihn somit vor Stößen, umschließt den Knöchel aber nicht so fest wie ein herkömmlicher Wanderschuh. Dennoch spüre ich, dass ich trotz eines gewissen “Hausschuhfeelings” einen guten Halt auf den unterschiedlichen Untergründen habe. Dazu merke ich, dass ich etwas langsamer gehe und jeden Schritt bewusster setze, aber mehr Achtsamkeit ist ja auch im Trend.
Nach etwa zwei Stunden habe ich schon den Sattel unterhalb des Heimgartens erreicht und eine weitere halbe Stunde später stehe ich am Gipfelkreuz und Blicke auf die beiden Seen tief unter mir. Der Walchensee glitzert in der Sonne und der Kochelsee im Norden liegt wie so oft unter einer dicken Wolkendecke.
Nach der Pause muss der Xero Ridgeway auf dem Abstieg zum Grat das erste Mal beweisen, wie er bergab funktioniert und auch hier gibt mir der Schuh auf dem losen Schotter einen guten Halt und bringt mich sicher auf den Grat hinab. In sanftem Auf und Ab geht es nun über losen und festen Fels hinüber zum Herzogstand. Hier ist es wie immer deutlich voller als am gegenüberliegenden Heimgarten. Viele Spaziergänger kommen nur den kurzen Weg von der Gondel hinüber, um die Aussicht zu genießen. Die Gondel wäre auch meine Notausstiegsoption gewesen, wenn ich mich in meinen neuen Barfußtretern so gar nicht wohl gefühlt hätte. Zum Glück muss ich die Unterstützung aber nicht in Anspruch nehmen. Es folgen knappe 1.000 Tiefenmeter auf einem schmalen erdigen Steig und entgegen meiner Befürchtung rutsche ich in dem weiten Schuh nicht bei jedem Schritt nach vorne, sondern kann ganz entspannt den Weg ins Tal in Angriff nehmen.
Unterwegs kann ich es nicht lassen und muss an einem Bachlauf die Wasserdichtigkeit des Schuhs testen. Ich laufe mitten durch und meine Füße bleiben tatsächlich trocken. Der Innenschuh des Xero Ridgeway ist komplett nahtversiegelt und auch die Zunge ist dicht vernäht, so dass kein Wasser eindringen kann.
Nach 16 km und 1200 Höhen- (und Tiefen-)metern bin ich wieder am Parkplatz und kann die Bilanz meiner ersten Barfußwanderung ziehen: Während ich sonst sehnsüchtig dem Auto entgegenstrebe und es kaum erwarten kann, die engen Wanderschuhe auszuziehen, habe ich auch nach sechs Stunden kein Bedürfnis die Schuhe auszuziehen. Natürlich tun mir die Füße nach der langen Tour etwas weh, aber es ist nicht der übliche Schmerz, sondern eher eine Art beginnender Muskelkater, da ich sämtliche Fußmuskeln viel mehr belastet habe, als ich es mit herkömmlichen Wanderschuhen tun würde.
Fazit
Von mir kommt eine klare Empfehlung für das "Barfußwandern" und ich werde künftig sicher öfter mit Barfußschuhen in den Bergen unterwegs sein. Mein Fuß dankt mir die neue Bewegungsfreiheit und einige lange nicht genutzte Muskeln bekommen neue Kraft und nicht gekannte Stabilität.
Wichtig ist, eine mögliche Umstellung auf Barfußschuhe langsam anzugehen. Wer bisher nun in herkömmlichen Schuhen unterwegs war, die die Füße stützen und jeden Schritt dämpfen, muss seinen Muskeln, Sehnen und Bändern Zeit geben, sich an die neue Belastung zu gewöhnen. Wer zu schnell zu lange Strecken in den ungewohnten Barfußschuhen geht, riskiert Schmerzen oder unangenehme Überlastungen. Deshalb muss man sich unbedingt schrittweise an das neue Gehgefühl gewöhnen und zunächst kürzere Spaziergänge auf einfachen Wegen wählen, bevor es auf eine große Wandertour geht. Bevor ich mich mit dem Xero Ridgeway auf den Berg gewagt habe, bin ich bereits einen ganzen Sommer “barfuß” durch die Stadt gelaufen, so dass meine Füße bereits ein Stück weit an die neue Belastung gewöhnt waren.
Über Xeroshoes
Xero Shoes wurde 2009 von Steven Sashen und Lena Phoenix unter dem Namen „Invisible Shoes“ gegründet. Steven war ein passionierter Langstreckenläufer und immer wieder verletzt. Als ihm ein Bekannter empfahl, er solle doch einmal versuchen barfuß zu laufen, probierte Steven es aus und seine Verletzungen verschwanden. Am liebsten wäre Steven nun immer barfuß gelaufen, was im Alltag aber nicht praktikabel war. Steven entwarf daraufhin seine erste Barfußsandale, die das Gefühl und die Vorteile des Barfußgehens mit einem leichten Schutz für die Fußsohle verbinden sollte. Andere Läufer sahen Stevens Sandalen und wollten sie auch einmal ausprobieren. So verbreitete sich die Sandale immer weiter und aus dem Hobby entstand eine Marke mit Schuhen für alle Lebenslagen.
Weitere Informationen zu Xero Shoes gibt es hier...
Über den Autor*Innen

Christine Kroll
Mit einer Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und anschließendem Studium der Tourismuswirtschaft hat Christine nach dem Abitur ihr Hobby Reisen zum Beruf gemacht. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als Produktmanagerin bei verschiedenen Reiseveranstaltern. In ihrer Freizeit ist Christine am liebsten draußen. Je nach Saison findet man sie zu Fuß, mit dem Mountainbike oder auf (Touren-)Ski in den Bergen. Egal ob in den heimischen Alpen oder auf einer ihrer Reisen in Europa und der Welt, draußen aktiv zu sein gehört für Christine immer dazu.