
Verschneite Holzhütten ducken sich unter hohen Tannen an den Hang, gegenüber erhebt sich das beeindruckende Bergmassiv der Hohen Tauern mit dem über 3.600 Meter hohen Großvenediger und gleich vor der Tür staubt der Schnee, wenn die Skifahrer auf der Talabfahrt ihre Schwünge setzen.
Wer den Winter idyllisch erleben will, ist im Naturdorf Oberkühnreit genau richtig. Ein Stück oberhalb des Ferienorts Neukirchen am Großvenediger gelegen, zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern und den Kitzbüheler Alpen, bietet das Chalet-Dorf mit seinen urigen Hütten und autofreien Wegen Ruhe und Erholung abseits des trubeligen Skitourismus mancher Wintersportorte. Jede Menge Möglichkeiten, den Winter aktiv zu erleben, gibt es hier trotzdem.
Auf die Bretter und los!
So kann man sich die Skier gleich vor der Hütte anschnallen und in die Talabfahrt einsteigen, die direkt am Naturdorf vorbei zur Talstation der Wildkogelbahn in Neukirchen führt. Die Gondel bringt einen von dort ins Skigebiet Wildkogel-Arena. Von den 75 Pistenkilometern sind 85 Prozent als leicht bis mittelschwer eingestuft. Ideale Bedingungen also für Genuss-Skifahrer, die entspannt das Cruisen im Schnee und das Cinemascope-Panorama der Hohen Tauern genießen wollen.
Wer doch mehr Abwechslung sucht, ist in 15 Minuten mit dem Auto in den großen benachbarten Skigebieten Zillertal Arena und Kitzbüheler Alpen. Sie bieten rund 300 weitere Pistenkilometer.
14 Kilometer auf dem Rodel bergab
Auch auf dem Schlitten kann man direkt vom Naturdorf Oberkühnreit aus hinunter nach Neukirchen fahren. Die Kühnreit-Rodelbahn startet gleich unterhalb des Naturdorfs. Die 1,5 Kilometer lange Strecke führt durch den Wald und ist abends beleuchtet. Nach dem Pistenspaß lässt sich so gut auch noch eine lustige Rodelpartie anschließen.
Wem diese eher gemütliche Abfahrt zu wenig aufregend ist, der sollte mit der Bergbahn hoch auf den Wildkogelgipfel fahren. Dort startet die angeblich längste beleuchtete Rodelbahn der Welt. Über eine Strecke von 14 Kilometern saust man auf ihr hinunter nach Bramberg. 1.300 Höhenmeter und so einige Haarnadelkurven gilt es auf der abenteuerlichen Fahrt zu bewältigen. Je nach Wagemut und Bremskünsten ist man auf der Strecke eine halbe bis eine Stunde mit dem Schlitten unterwegs.
Da lohnt sich schon ein kleiner Zwischenstopp zum Aufwärmen, zum Beispiel am Kurventreff. Der Foodtruck direkt an der Rodelbahn bietet nicht nur Glühwein und Punsch. An Feuerschalen kann man zum Knistern des Holzfeuers auch die romantische Aussicht auf das Bergpanorama im Abendrot genießen, wenn man mit der letzten Gondel hochfährt. Allzu viel Glühwein sollte man sich allerdings nicht genehmigen bei dem Zwischenstopp, denn die wilde Fahrt auf dem Rodel geht danach noch ein gutes Stück weiter. Neben schneefester Kleidung, stabilem Schuhwerk und Skibrille sollte auch ein Helm nicht fehlen bei dieser Rodelpartie.
Weniger rasant, dafür umso idyllischer geht es bei einer Winterwanderung durch die verschneite Landschaft zu. Das Tourismusbüro Neukirchen & Bramberg bietet verschiedene geführte Touren an. Bei einer Schneeschuhwanderung mit Wanderführer Harald am Wildkogel etwa stapft man durch den knirschenden Tiefschnee vorbei an den Speicherseen des Skigebiets und genießt den Blick von oben ins verschneite Tal. Oder man wandert ins Obersulzbachtal und genießt die unberührte Natur des Nationalparks Hohe Tauern.
Aufwärmen im Naturdorf
Egal ob man auf Skiern, Rodel oder mit Schneeschuhen unterwegs war – das Naturdorf Oberkühnreit mit seinen gemütlichen Holzhütten bietet nach einem aktiven Wintertag eine behagliche Atmosphäre, um sich zu erholen und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Zum Aufwärmen nach einem Wintertag draußen lädt die urige Zirbensauna-Hütte ein. Nach dem Saunagang kann man sich draußen mit frischem Schnee abreiben und sich dann auf der Liege aus Zirbenholz aufs Schaffell kuscheln. Zurück in der eigenen Hütte sorgt ein bullernder Holzpellets-Ofen für behagliche Wärme. Wer dann nicht mehr selbst in der Küche des Chalets stehen will, kann sich aus der Naturdorfküche mit einer Jause mit selbst gebackenem Brot, Bauernbutter, Käse und Speck oder mit einer Pfanne Kaiserschmarrn versorgen und den Tag auf der gemütlichen Eckbank Revue passieren lassen. Oder man macht noch einen kleinen Spaziergang zum Abelhof in der Nähe. Juniorchef Thomas Scharler tischt dort traditionelle Gerichte mit regionalen Produkten auf. Der Hirsch für das Stroganoff vom Hirschkalb in Rotweinsauce mit Butterspätzle und Kohlsprossen etwa kommt aus der eigenen Jagd.
Auf jeden Fall probieren sollte man zum Ausklang des Tages den selbstgebrannten Schnaps aus dem Naturdorf. Den brennt Johanna, die Mama von Gastgeberin Anika Ensmann-Heim, selbst in der Naturdorf-Brennerei. Die Äpfel für den Obstler stammen aus dem Apfelgarten, der zum Naturdorf gehört.
Und bevor man dann nach einer ruhigen, erholsamen Nacht in der Hütte zu einem neuen Tag voller Aktivitäten in der winterlichen Natur aufbricht, wartet schon das Naturdorffrühstück mit Gebäck, das der Bäcker jeden Tag ab 6 Uhr frisch im Naturdorf anliefert. Dazu gibt es Bio-Butter, Bio-Eier, hausgemachte Marmelade und Honig aus der eigenen Imkerei. So gestärkt, kann man in den nächsten idyllischen Wintertag im Schatten des Großvenediger starten.
Naturdorf Oberkühnreit, Marktberg 143, A-5741 Neukirchen am Großvenediger, www.naturdorf.at
Über den Autor*Innen

Gabi Vögele
Gabi Vögele, geboren 1967 in Eichstätt/Bayern, arbeitete nach dem Studium von Journalistik und Geographie als Journalistin für Süddeutsche Zeitung und Abendzeitung. Seit 2005 ist sie freiberuflich als Journalistin tätig. Ihre Themen: Reisen, Outdoor-Aktivitäten, Genuss.
Draußen unterwegs sein, sich in der Natur bewegen, Landschaften entdecken, interessante Menschen treffen und einfach genießen – sei es den würzigen Bergkäse auf der Alm, das gute Glas Rotwein an einem langen Winterabend oder das überraschende Sechs-Gänge-Menü eines kreativen Kochs.