Vordergrund macht Bild gesund

Thomas Rathay gibt der Kursteilnehmerin nützliche Tipps - (c) Jörg Bornmann

Einen Fotokurs mit dem Fotografen Thomas Rathay stand schon lange auf meiner Wunschliste. Thomas Rathay ist mir schon seit vielen Jahren als ausgezeichneter Natur- und Landschaftsfotograf bekannt und auch über seine Fotokurse in Südtirol und Schweden habe ich von Teilnehmern viel Gutes gehört. Leider hat es terminlich noch nie gepasst, aber in diesem Frühjahr bietet Thomas in Zusammenarbeit mit dem Hotel Krone in Sindringen weitere Termine für 4-tägige Fotokurse an. Dabei steht das Thema Genuss neben dem Fotografieren im Mittelpunkt. Die frische, regionale Küche, ein Grillabend und ein Wein-Workshop runden das Begleitprogramm zum Fotokurs ab.

Auch meine Tochter Sandra findet mit ihren 13 Jahren immer mehr Spaß am Fotografieren und so mache ich ihr den Vorschlag in den Osterferien an dem Fotokurs im Hohenloher Land teilzunehmen. Sofort ist sie begeistert und so sitzen wir am 18. April im Zug auf den Weg ins Hotel Krone der Familie Walter in Sindringen.

Freundlich werden wir von Angelika Walter-Hertweck empfangen und nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, lernen wir die anderen Kursteilnehmer Daniel, Volker und Gerhard beim Frühstück kennen. Thomas erläutert uns den geplanten Ablauf: „Zunächst starten wir mit einem Theorieteil. Im Anschluss geht es auf eine kleine Wanderung. Auch in den nächsten Tagen werden wir am Vormittag etwas Theorie lernen und danach bei einer Segway- und einer Fahrrad-Tour das Gelernte anwenden. Am Samstag schließen wir den Kurs dann mit einer Wanderung ab. Ihr bekommt jeden Tag eine Aufgabe, in der Ihr das Gelernte umsetzen sollt. “

Im Seminarraum geht es los mit dem Unterricht. Zunächst erfahren wir einiges über die verschiedenen, auf dem Markt verfügbaren Kameras. „Die beste Kamera ist immer die, die ich dabei habe“, erklärt uns Thomas, „es kommt nicht oft vor, aber manchmal habe auch ich keine Kamera dabei. Bevor ich aber ein schönes Bild nicht mache nutze ich z.B. das Handy.“ Er erklärt uns, dass ein Bild bereits vor dem Auslösen im Kopf entstehen sollte. „Als Fotograf möchte ich meine Bilder aktiv gestalten. Dabei ist es wichtig, dass ich bereits vorher eine Idee habe, eine Geschichte im Kopf habe, die ich mit dem Bild erzählen möchte.“ Wir erfahren viel über die Parameter mit deren Hilfe man die Gestaltung der Bilder technisch beeinflussen kann, mit der Blende, der Verschlusszeit oder auch der Festlegung des ISO-Wertes.

Noch kurz stellt uns Thomas die heutige Aufgabe: „Wir stellen heute das Thema ‚Rahmen‘ in den Mittelpunkt. Das heißt, wir nutzen von der Natur vorgegebene Rahmen um das Wesentliche im Bild zu betonen.“ Er zeigt uns noch zwei Beispiele und schon stehen wir vor dem Hotel Krone und gehen über den Kocher in den Wald. Das Hotel liegt direkt am Ufer des Kocher umgeben von Wäldern und Wiesen, hier kann man direkt vor der Haustür zu Wanderungen und Radtouren aufbrechen. Toll für Aktivurlauber und äußerst vorteilhaft für den praktischen Teil unseres Fotokurses. „Für unsere gemeinsame Bildbesprechung am Abend brauche ich von jedem von Euch 5 Bilder“, gibt uns Thomas noch auf den Weg und schon geht es los.

Zunächst fotografieren wir oftmals das gleiche Motiv, aber schnell entwickelt jeder seinen persönlichen Blick, seine eigene Kreativität. Spaß macht es mir zu sehen mit welcher Begeisterung meine Tochter bei der Sache ist. Sie, die 13jährige, inmitten alter Herren setzt das Gelernte unmittelbar um, hat tolle Ideen, scheut sich aber auch nicht Thomas mit Fragen zu löchern. Knapp vier Stunden sind wir unterwegs. Durch Wälder, über Felder entlang einer kleinen Siedlung führt uns der Weg zu den Grundmauern eines römischen Wachturms, ein Teil der hier verlaufenden, nördlichen, ehemaligen Grenze des römischen Reiches, dem Limes.

Zurück im Hotel haben wir eine halbe Stunde Zeit die eigenen Bilder zu sichten und die nach persönlichem Empfinden fünf schönsten für die gemeinsame Besprechung auszusuchen. Schöne Bilder sind entstanden, viel lernen wir bei der Diskussion über die Ideen zu den Bildern und die Ausführung. Und nachdem wir mit einem wunderbaren Abendessen belohnt wurden, gehen alle auf ihr Zimmer, es war ein langer Tag, an dem wir alle viel gelernt haben.

Mit einem ausführliches Frühstück geht es in den nächsten Tag. Es folgt zunächst wieder ein Theorieteil. „Die Kursteilnehmer in meinen Kursen brauchen keinen gleichen Wissenstand. Oft habe ich Kursteilnehmer die mit unterschiedlichsten Voraussetzungen zum Kurs kommen. Aber Tag für Tag gleicht sich das Niveau der einzelnen Teilnehmer an. Ich versuche die Theorie greifbar zu machen und oftmals sind Eselbrücken wie ‚Vordergrund macht Bild gesund‘ das was am besten in den Köpfen hängen bleibt“, erklärt mir Thomas.

Nach dem heutigen Theorieteil geht es zur Segway-Tour. Unsere heutige Aufgabe ist passend zum Theorieteil ‚Perspektivwechsel‘. Und so liegen wir im Gras, steigen auf Bäume, fotografieren verschieden Motive frontal, in der Vogel- und der Froschperspektive. Wir starten mit unserer Tour im Kloster Schöntal, der ehemaligen Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert mit einer wundervollen Barockkirche. Immer wieder bleiben wir stehen oder stellen uns den Kollegen als Models zur Verfügung und so vergeht die Zeit wieder viel zu schnell. Mit einer großen Anzahl toller Bilder auf den Speicherkarten kehren wir am späten Nachmittag ins Hotel zurück. Doch die schwierigste Aufgabe des Tages steht uns noch bevor. Beschränken heißt das Zauberwort und zwar die Auswahl der eigenen Bilder auf fünf Stück für die tägliche Besprechung.

Heute steht nach dem Abendessen steht ein ganz besonderes Schmankerl auf dem Lehrplan unseres Kursleiters. Ein offenes Feuer und Cocktails erwarten uns auf der Terrasse des Hotels Krone und so entstehen während der blauen Stunde wundervolle, romantische, stimmungsvolle Aufnahmen.

Auch der dritte Tag ist wieder in Theorie und Praxis aufgeteilt. Nach einer kurzen Wiederholung des Gelernten zeigt uns Thomas die ersten Tricks für besondere Effekte, wie das Zoomen beim Auslösen. Danach geht es zur Fahrradtour entlang der Kocher. Anscheinend hatte er in den letzten Tagen den Eindruck, dass wir unterfordert waren, denn heute stellt er uns gleich zwei Aufgaben, Bilder aus der Bewegung und Kontraste. Nach der Fahrradtour steht die Abschlussbesprechung an und nach einer Wanderung am Samstagvormittag geht es auf die Rückreise.

Tolle Tage im Hohenloher Land liegen hinter uns. Wir haben vieles Neues gelernt und bereits vorhandenes Wissen aufgefrischt. Die souveräne, humorvolle Leitung des Fotokurses durch Thomas Rathay hat die Zeit sehr schnell vergehen lassen. Man merkt ihm in jeder Sekunde an mit welcher Begeisterung er Fotograf ist und wie gerne er sein Wissen weiter gibt. Das Hotel Krone ist ideal für solche Fotokurse. Und das wohl größte Lob kam von meiner Tochter, die bei der Heimfahrt zu mir sagt: „Papa, das würde ich sofort wieder machen.“

Auch ein Termin vom 31.10. bis 05.11.2017 steht für den nächsten Fotokurs im Hohenloher Land bereits fest. Weiter Infos findet man hier

Thomas Rathay gibt der Kursteilnehmerin nützliche Tipps - (c) Jörg Bornmann
Wunderbare Sonnenstimmung gilt es auch beim Fotokurs einzufangen - (c) Sandra Geschrey
Hier wurde der Rahmen sehr großzügig gewählt und vermittelt die Weite der Landschaft - (c) Sandra Geschrey
Aus der Froschperspektive wirkt dieses Bild besonders interessant - (c) Thomas Rathay
Das Thema Rahmen und Perspektive perfekt umgesetzt - (c) Thomas Rathay
Die Region um Sindringen ist ideal für Wanderer und Radfahrer - (c) Jörg Bornmann
Detailaufnahmen bringen die Dynamik der Natur dem Btrachter oft sehr gut nahe - (c) Jörg Bornmann
Naturfotografie ist auch immer etwas Glücksache. Wichtig ist, dass man ein offenes Auge hat und immer bereit für ein schnelles Foto ist - (c) Jörg Bornmann
Vordergrund macht Bild gesund, die Blüten transportieren die Jahreszeit in der das Bild entstanden ist bbesonders gut - (c) Jörg Bornmann
Auch hier steht die Blüte im Fordergrund, doch die Perspektive verändert die Wirkung der Kirche - (c) Sandra Geschrey
Durch die Froschperspektive empfindet man die Größe der Barockkirche ganz direkt - (c) Jörg Bornmann
Mit dem Segway rund um Kloster Schöntal - (c) Jörg Bornmann
Kloster Schöntal im Blätterrahmen - (c) Jörg Bornmann
Mit dem Segway rund um Kloster Schöntal 2, Perspektivwechsel - (c) Thomas Rathay
So sieht ein Frosch die Räder des Segways - (c) Sandra Geschrey
Ein offenes Feuer und Cocktails erwarten uns auf der Terrasse des Hotels Krone - (c) Jörg Bornmann
und so entstehen während der blauen Stunde wundervolle, romantische, stimmungsvolle Aufnahmen - (c) Thomas Rathay
Farbkonstraste mit Frühlingsgefühlen - (c) Sandra Geschrey
Bei der Arbeit - (c) Thomas Rathay
Au der Bewegung entsteht Dynamic - (c) Sandra Geschrey
Der Dynamic des Fahrradfahrers steht die fixe Fotogarfin im Hintergrund als Gegensatz entgegen - (c) Thomas Rathay
Das Brückengeländer führt das Auge des Betrachters zu den Segwayfahrern - (c) Thomas Rathay
Zoomen beim Auslösen ergibt diesen besonderen Effekt - (c) Jörg Bornmann
Zur blauen Stunde am Ufer der Kocher - (c) Thomas Rathay

Über den Autor

Jörg Bornmann

Als ich im April 2006 mit Wanderfreak an den Start ging, dachte noch keiner an Blogs. Viele schüttelten nur ungläubig den Kopf, als ich Ihnen von meinem Traum erzählte ein reines Online-Wandermagazin auf den Markt zu bringen, welches eine hohe journalistische Qualität aufweisen kann, eine Qualität, die man bisher nur im Printbereich kannte. Mir war dabei bewusst, dass ich Reisejournalisten und Spezialisten finden musste, die an meine Idee glaubten und ich fand sie.