Die kleine „Elphi“ der Allgäuer Alpen

Ein Edelstein für Bayern - Die kleine „Elphi“ der Allgäuer Alpen (c) Gabi Dräger

Die moderne Architektur des Gipfelrestaurants auf dem Nebelhorn passt sich perfekt in die Natur ein. 

Logistik während der Bauzeit
Am 10. April 2016 war der Start des Neubaus. Das Bauen in dieser Höhe ist ein Kraftakt. Die „Firma Dann“ in Kempten hat diese Aufgabe gemeistert. Manchmal waren bis zu 60 Arbeiter auf der Baustelle. Im Sommer lag manchmal morgens Schnee auf der Baustelle was die Arbeit erheblich beschwerte. Die meisten Teile, vor allem die großen, wurden per Helikopter zum Gipfel gebracht. Während der Bauzeit wurden die Seile der dritten Sektion der Bergbahn zur Nebelhornbaustelle ausgetauscht, was die Arbeiten wiederum erschwerte. Zum Glück gab es während der ganzen Bauphase, trotz der ausgesetzten Lage, keine Arbeitsunfälle. 

Architektur
Stefan Hiebeler aus Schwarzach in Vorarlberg hat den Entwurf gemacht. Die klare Form der Architektur schmiegt sich in die Natur ein. Die Materialien die benutzt wurden, sind Stein, Stahl, Glas, Holz, Aluminium und Kupfer. Alles ist in klaren Linien in hellem Holz gehalten. Es gibt eine Bar neben einer großen Terrasse und darunter gibt es eine zweite Terrasse mit einem Selbstbedienungs- und Bedienungsrestaurant. Beeindruckend sind immer wieder großen Panoramascheiben. Man muss nicht Ski fahren oder wandern, schon allein wegen der Aussicht wegen, lohnt es sich herzukommen. 

Design
Wenn man aus der Seilbahn steigt, empfängt einen ein unglaubliches Panorama mit 400 Gipfeln. Der untere Teil der Fassade des neuen Gipfelrestaurants wurde aus den Felssteinen vor Ort gebaut. Die obere Fassade besteht aus gefalteten und vorpatinierten Kupfer, in der man schwach „Nebelhorn 2224“ lesen kann. Die halbrunde Panoramascheibe auf der unteren Dachterrasse, in der sich die Bergwelt spiegelt, lockt viele für Fotos an. Das helle Eschenholz im Selbstbedienungs- und Bedienungsrestaurant sorgt neben den großen Fenstern für Helligkeit und Wärme. Witzig im Restaurant sind die kleinen Nischen für zwei Personen. Die Kachelöfen geben im letzten Raum eine besonders heimelige und gemütliche Atmosphäre. 

Mutprobe am Norwandsteig
Neben dem Gipfelhaus geht es durch einen kurzen Tunnel auf den gut ausgebauten Steig der Tiefblicke bis zu 600 Meter bietet, den Weitblick über die Alpen gibt es gratis dazu. Es ist ein einzigartiges Gefühl so nah an der senkrecht abfallenden Wand zu sein, bei der man soviel Luft unter den Füssen hat. Man fühlt sich wie ein Kletterer. 220 Meter führt der Steig höhengleich dicht an der Felswand entlang und umrundet dabei den Gipfel des Nebelhorns. „Keine Angst, der Steg ist so stabil, da könnten auch Autos drüberfahren“, erklärt Joachim Freudig, der Betriebsleiter der Nebelhornbahn. Der Nordwandsteig ist sommers wie winters geöffnet, bei Schneefall wird er geräumt. 700.000 hat der Steig gekostet, der einzigartig in Bayern ist.

Genuss am Nebelhorn
Natürlich gibt es Allgäuer Kässpätzle und Schlutzkrapfen. Die Spezialität ist das Rehragout mit Semmelknödel und als Nachtisch kann man den süßen Zwetschgen-Serviettenknödeln einfach nicht widerstehen. Die Krönung ist jedoch in einem Liegestuhl, die es kostenlos gibt, einen Cappuccino zu genießen. Das Selbstbedienungs- und Bedienungsrestaurant sind die höchsten Gastbetriebe im Allgäu. Das Nebelhorngipfelhaus ist ganzjährig geöffnet. Dohlen haben die Terrassen schon längst erkundet und warten auf Brösel, die auf die Terrasse fallen.

Einweihung am Nebelhorn
Am 3. Februar 2017 wurde das Gipfelhaus eingeweiht. Die „Breitachtaler Johlar“ stimmten festlich ein. Ihre Jodler klingten besonders schön in der freien Natur. Das Nebelhorn mach seinem Namen keine Ehre, die Sonne scheint zur Eröffnung. Peter Schöttl, der Vorstand der Nebelhornbahn-AG betonte, dass, die früher oft überfüllte Gipfelplattform mit dem neuen Restaurant mit seinem neuen gastronomischen Konzept für mehr Anziehungskraft sorgen wird. Die Gipfelstation ist das Vorzeigeprodukt der Nebelhornbahn. Er ergänzt: „Hier hat ein ansprechendes Ambiente nicht nur Auswirkungen auf die Gastronomie, sondern ist mitentscheidend für das Gesamterlebnis Gipfel. Der neue Nordwandsteig wurde als attraktive Alternative zu einer Gipfelplattform konzipiert und werde den Andrang am neuen Gipfelkreuz reduzieren. Der Nordwandsteig ist auch für Gäste mit körperlichen Einschränkungen, für Rollstuhlfahrer und für Familien mit Kinderwagen gut begehbar“.

Augustin Kröll, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bahn, macht in seiner Rede eine Anspielung auf die Hamburger Elbphilharmonie und betitelt das Nebelhorn-Gipfelhaus als „kleine Elphi“ der Allgäuer Alpen. Er dankte dem Team der Bergbahn und den zahlreichen Firmen für ihren Einsatz und die Leistung, trotz mitunter widriger Wetterumstände in acht Monaten das Projekt realisiert zu haben. Nach Plänen des Vorarlberger Architekten Werner Kaufmann entstand ein Bauwerk, das sich harmonisch an den Berg schmiegt. Für die Holzkonstruktion wurde maßgeblich Esche verwendet. Insgesamt investierte das Unternehmen in das neue Restaurant 5,5 Mio. Euro. Das Gipfelrestaurant verfügt innen über 82 Sitzplätze. Auf den beiden Terrassen kommen weitere 296 hinzu. Parallel zum neuen Restaurant wurde der Nordwandsteig realisiert, der eine gefahrlose und einfache Umrundung des Gipfels erlaubt und spektakuläre Aus- und Tiefblicke ermöglicht. Die Geistlichkeit aus der Region segnet das neue Gipfelkreuz, zudem sie extra aufsteigen, den Nordwandsteig und das Gipfelrestaurant und den Nordwandsteig.

Staatsministerin Ilse Aigner
Ilse Aigner, die Staatsministerin, ist zur Einweihung des neuen Restaurants auf dem Nebelhorn-Gipfel hoch über Oberstdorf gekommen und dem Nordwandsteig, denn der Tourismus gehört zu ihrem Aufgabengebiet als Wirtschaftsministerin. Sie erklärte begeistert, „Dieser Neubau setzt Maßstäbe im Bergtourismus. Das Nebelhorn ist mit der heutigen Einweihung als Tourismusmagnet attraktiver denn je“. Dieser Termin war der höchste Termin ihrer Karriere und einer der angenehmsten. Den Verantwortlichen der Nebelhorn-AG zollt sie ein großes Lob: „Solche Attraktionen wünsche ich mir für den Bayerntourismus. Denn die Strahlkraft solcher Projekte wertet die ganze Region auf. Zudem ermöglichen sie ein Bergerlebnis für jedermann. Es sind zumeist die Bergbahnen, die eine Region beflügeln.“

Das Nebelhorngipfelhaus ist ein Reiseziel für alle, selbst wenn man nicht mehr so mobil ist. Die Investition der für das Gipfelrestaurant hat auch Auswirkungen auf den Tourismus im Tal und somit auch für die Menschen. Ilse Aigner begrüßt auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Bergbahnen an Nebelhorn, Fellhorn, Kanzelwand, Söllereck, Walmendingerhorn und Ifen. Bayern steht in Deutschland als Tourismusland an erster Stelle. Das Nebelhorngipfelhaus ist richtungsweisend für den Tourismus für Bayern.

Ein Edelstein für Bayern
Landrat Anton Klotze dankt allen, die mit dem Projekt befasst waren und sagte, „Das neue Nebelhorngipfelhaus ist ein Edelstein für das Allgäu“.

90 Jahre später
Bürgermeister Laurent Mies wies auf die Doppelfunktion des Nebelhorngipfelhauses hin. Zum einen ist es ein Gipfelhaus für Sportler und Erholungssuchende und gleichzeitig ist es eine Attraktion im Allgäu, die viele Besucher anziehen wird. 1927 wurde die erste Seilbahn am Nebelhorn eröffnet und 90 Jahre später wurde ein Gipfelhaus der Zukunft gebaut.

Lobeshymnen
Gäste loben das neue Gipfelhaus, es ist in aller Munde. Sogar die „Krauterer“, die eigentlich gegen alles Neue sind, sind vom Nebelhorngipfelhaus begeistert.

Kontakt
Allgäu Tourismus www.allgaeu.de
Oberstdorf Tourismus www.oberstdorf.de
Nebelhornbahn-AG www.das-hoechste.com

 

Ein Edelstein für Bayern - Die kleine „Elphi“ der Allgäuer Alpen (c) Gabi Dräger
Ein Edelstein für Bayern - Die kleine „Elphi“ der Allgäuer Alpen (c) Gabi Dräger
Ein Edelstein für Bayern - Die kleine „Elphi“ der Allgäuer Alpen (c) Gabi Dräger
Ein Edelstein für Bayern - Die kleine „Elphi“ der Allgäuer Alpen (c) Gabi Dräger

Über den Autor

Gabi Dräger

Wo findet man Gabriele Dräger in den Bergen? Natürlich in einer Alm bei einer Brotzeit., denn Almen mit guter Küche ziehen sie magisch an. Gipfel nimmt sie auch hin und wieder mit. So hat sie einige 5.000er beim Trekking in Süd Amerika und Nepal, bestiegen. Ihre Hochleistung war der Kilimandscharo mit 5.895 Meter. Kultur und Brauchtum faszinieren sie genauso, wie Städte und Kunstausstellungen. Obwohl sie gerne in urigen Berghütten übernachtet ist sie dem Luxus von guten Hotels nicht abgeneigt.