Rucksack-Spezialist Deuter: „Die Digitalisierung bietet auch Chancen“

Gerlinde Kaltenbrunner, die österreichische Bergsteigerin, ist die dritte Frau, die alle 14 Achttausender ohne zusätzliche Sauerstoff-Zufuhr bestiegen hat, stellt während der Ispo den Deuter Gravity Expedition SL vor

Deuter blickt als Rucksackhersteller auf 100 Jahre Firmengeschichte zurück. Im Interview erklärt Geschäftsführer Martin Riebel, wie sich das Unternehmen für die digitale Revolution des Outdoor-Markts rüstet. Wie hält man ein Traditionsunternehmen wie Deuter mit schmaler Produktpalette und klarem Fachhandelsfokus in Zeiten der Digitalisierung auf Kurs? Martin Riebel ist seit 2013 Geschäftsführer von Deuter, das seit 2006 zu der Schwan Stabilo Outdoor Gruppe gehört. Deuter verkauft nicht an reine Online-Händler, denn Rucksäcke sind beratungsintensive Produkte. Amazon wird von Deuter ausdrücklich nicht beliefert.

Wanderfreak: „Wie hat sich der Handel verändert in jüngster Zeit?“

Martin Riebel: „Handel und Industrie – müssen sich klar profilieren. Bezogen auf den noch recht jungen Outdoor-Markt ist das durchaus eine Herausforderung. Die Innovation ist der Schlüssel und Anwendungsbereich und Funktion der Produkte stehen im Vordergrund. Grundsätzlich glaubt Deuter stark an die Zukunft von Outdoor: Mit unserer Bürositzerei und den wachsenden Städten werden Outdoor und das Draußensein immer wichtiger.“

Wanderfreak: „Herr Riebel, Deuter hat sich bereits vor Jahren entschlossen Amazon nicht zu beliefern und dafür auch sehr gekämpft, warum?“

Martin Riebel: „Nein, wir verkaufen nicht an reine Online-Händler. Wir wollen keinen Basar wie bei Amazon. Rucksäcke sind beratungsintensive Produkte. Deshalb haben wir eine selektive Vertriebsstrategie, welche es dem Endverbraucher erlaubt, das Produkt über unsere stationären Händler anpassen zu lassen, aber auch online über diese zu bestellen. Wir selbst haben die Strategie gewählt, dass wir keinen eigenen Webshop betreiben. Unser Shop läuft über ausgewählte Händler. Das läuft sehr gut, und wir haben hier überproportionale Steigerungsraten. Aber: Das Geschäft macht der Händler – sonst würden wir uns widersprechen. Wir sehen den Handel nach wie vor als den verlängerten Arm zum Kunden.“

Wanderfreak: „Mit welchen Veränderungen rechnen Sie in den nächsten Jahren?“

Martin Riebel: „Es wird hier allerdings zu einer massiven Konsolidierung auf die Schnellsten und Besten zulaufen. Die Zukunft ist die nahtlose Kombination aus Erlebnis und guter Beratung auf der Fläche, Information und einfachem Zugang über das Internet und einem hohen, logistischen Servicegrad. Darauf müssen wir uns als Marke einstellen.“

Wanderfreak: „Welche Herausforderungen sehen Sie in Bezug auf die Digitalisierung?“

Martin Riebel: „Der Endverbraucher wird auch in Zukunft das Einkaufserlebnis auf den Flächen suchen, sich gerne beraten lassen – aber eben auch zunehmend mobil bestellen. Das heißt, die Digitalisierung bietet auch Chancen. Gerade durch die sozialen Medien kann heute der Endverbraucher wesentlich direkter angesprochen werden. Wir experimentieren dort sehr viel und haben ein eigenes Online-Marketing-Team aufgebaut. Der Endverbraucher ist heute durch das Internet wesentlich besser vorinformiert, und das stellt sowohl den Verkäufer auf der Fläche als auch den Verkauf über das Internet vor neue Herausforderungen.“

Wanderfreak: „Betrifft die Digitalisierung auch die Produktion?“

Martin Riebel: „Wir haben die besondere Situation, dass wir seit über 20 Jahren einen Zulieferer für unsere Rucksäcke haben. Der sitzt in Vietnam und arbeitet exklusiv nur für uns. Die Lohnsteigerung in Vietnam beträgt aber etwa zwölf bis dreizehn Prozent im Jahr, und diese Kosten können wir nicht weitergeben sondern müssen versuchen, sie durch mehr Effizienz aufzufangen.“

Wanderfreak: „Wie nahe sind Sie am Kunden – integrieren Sie Feedback Ihrer Kunden in die Produktentwicklung?“

Martin Riebel: „Wir arbeiten eng mit Bergführern und Athleten zusammen, die regelmäßig im Haus sind, um Verbesserungsvorschläge zu machen. Darüber hinaus nehmen wir auch Rückmeldungen über Einkäufer und Verkäufer aus dem Fachhandel sehr ernst. Und wir erhalten auch direktes Feedback von Endverbrauchern. Aus diesem Mix an Informationen versuchen wir uns ständig weiter zu entwickeln.“

Wanderfreak: „Soziale Verträglichkeit, Nachhaltigkeit um nur zwei Schlagwörter zu nennen. Wie hält es Deuter damit?“

Martin Riebel: „Wir haben nur zwei Zulieferer. Einen für Rucksäcke, wie bereits erwähnt, in Vietnam, der andere produziert die Schlafsäcke und sitzt in China. Das ist ungewöhnlich! Bei Nachhaltigkeit geht es ja um den Dreiklang zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Nachhaltigkeit. Hier spielen wir seit Jahren in der Champions League, wenn es um die sozialen Standards unserer Produktion in Vietnam geht. Wir sind seit vielen Jahren Mitglied der Fair Wear Foundation, seit dem ersten Audit in der höchsten Kategorie „Leader Status“ und erhielten den „Best Practice Award“ für die praktische Umsetzung der Reduzierung von Überstunden.“

Wanderfreak: „Herr Riebel, zum Schluss noch eine kurze Vorausschau auf die Frühjahrs- und Sommersaison. Wie läuft die aktuelle Saison bisher an?“

Martin Riebel: „Wir sind mit dem aktuellen Saisonverlauf sehr zufrieden. Die Frühjahr-Sommer 18 Kollektion steht kurz vor der Auslieferung und wurde vom Handel sehr gut vorgeordert – vor allem international mit einem gut zweistelligen Plus. Wir erwarten uns im nächsten Jahr mehr Schub, vorangetrieben vor allem durch Innovationen im Produkt wie dem noch komfortableren Futura Sensic Tragesystem.“

 

Gerlinde Kaltenbrunner, die österreichische Bergsteigerin, ist die dritte Frau, die alle 14 Achttausender ohne zusätzliche Sauerstoff-Zufuhr bestiegen hat, stellt während der Ispo den Deuter Gravity Expedition SL vor

Über den Autor

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Gabi Dräger

Wo findet man Gabriele Dräger in den Bergen? Natürlich in einer Alm bei einer Brotzeit., denn Almen mit guter Küche ziehen sie magisch an. Gipfel nimmt sie auch hin und wieder mit. So hat sie einige 5.000er beim Trekking in Süd Amerika und Nepal, bestiegen. Ihre Hochleistung war der Kilimandscharo mit 5.895 Meter. Kultur und Brauchtum faszinieren sie genauso, wie Städte und Kunstausstellungen. Obwohl sie gerne in urigen Berghütten übernachtet ist sie dem Luxus von guten Hotels nicht abgeneigt.