Der Norden Teneriffas – Vulkane, Regenwald und Meer

Der Norden Teneriffas – Vulkane, Regenwald und Meer - (c) Gabi Dräger

Teneriffa hat mehr zu bieten als nur Sonne, Strände und Pauschaltourismus. Teneriffa hat den Teide, den höchsten Berg Spaniens mit einer einzigartigen Vulkanlandschaft, schwindelerregende Steilküsten und Lorbeerwälder mit einer subtropischen Pflanzenpracht und dazu kommt eine authentische kanarische Küche mit bäuerlichen Wurzeln.

Regenwald-Wanderung

Die Natur sehen, hören, fühlen und riechen ist das Thema der Wanderung auf dem „Sendero de los Sentidos“. Dieser Wanderweg ist ein Weg der Sinne im „Parque Rural de Anaga“, dem Biosphären-Reservat im Nordwesten von Teneriffa. Hier sieht man Heide, die in Deutschland gerade mal Buschgröße erreicht, in Teneriffa dagegen so groß wie Bäume wird. Der Sauerstoff, den die Bäume im Park abgeben ist so rein, dass man das beim Einatmen spürt. Die feinen ätherischen Öle der Bäume kann man riechen, über Baumstämme kann man streichen und die Rinde fühlen und man hört das Konzert der Vögel. Im Restaurant „Cruz del Carmen“ neben dem Informationszentrum wird ein typisches kanarisches Essen serviert, so wird der Sinn „Schmecken“ auch noch gefordert. Die Vorspeise besteht aus geräuchertem Ziegenkäse mit Palmhonig und einer scharfen Soße aus Koriander. Der Hauptgang ist ein „puchero“, ein deftiger Eintopf aus Gemüse und Fleisch, zu dem ein Glas kanarischer Inselwein passt. Nach dem Essen geht es weiter in Richtung Teide, dem höchsten Berg in Spanien. Weiter geht die Fahrt, nach ein paar Metern versperren Wolken jede Aussicht. Carlos, der Reiseführer, verspricht, dass immer irgendwo auf der Insel die Sonne scheint. Und so war es dann auch, plötzlich ist man über den Wolken in 2000 Metern Höhe und wieder in der Sonne.

Nationalpark Teide per Raumschiff Enterprise?

Die bizarre und schwarze Vulkanlandschaft im „Parque Nacional del Teide“ hat mit Lava, Asche und erkalteten Schlackenfeldern fast außerirdische Züge. Ist man per Raumschiff Enterprise auf einen anderen Planeten gebracht worden? Ganz Teneriffa ist wie eine Pyramide geformt, die im höchsten Berg Spaniens, dem Teide gipfelt. Er ist 3718 Meter hoch und ist im Winter oft mit Schnee bedeckt, darum heißt er auch der „weiße Berg“. Die Caldera zu Füssen des Teide, mit dem im Durchmesser von sechzehn Kilometer großen Krater, ist eine einzigartige Vulkanlandschaft. In dieser Landschaft wurden viele Filme gedreht. Aus der amerikanischen Aktion-Filmreihe „Fast and Furios“, das amerikanische Fantasie-Drama „Kampf der Titanen“ und der Fantasie-Abenteuerfilm „Zorn der Titanen“. Doch hauptsächlich werden Werbespots, Videoclips und Dokumentarfilme aufgenommen. Auch BMW und Mercedes Benz zog es schon zu Werbeaufnahmen nach Teneriffa. Oben im Krater des Teide wohnt der Gott Guayota, der die Sünden der Menschen mit Vulkanausbrüchen bestraft. Die Guanchen, die Ureinwohner haben ihn mit unblutigen Opfern versucht zu besänftigen. Der Teide ist ein junger Vulkan der schläft, der letzte Ausbruch war 1909. Der bekannteste Felsen aus vulkanischem Gestein ist der „Roque Cinchado“, der auch der „Finger Gottes“ genannt wird und als Wahrzeichen der Insel gilt. Eine Wanderung in der Caldera zum Finger Gottes mitten hinein in den Sonnenuntergang ist ein Erlebnis der besonderen Art. Der gigantische Teide-Natternkopf, der Tajinaste, blüht rosarot bis pink und kann bis zu drei Meter hoch werden. Am Horizont geht die Sonne hinter der Insel Palma unter. Der „Parador Las Cañadas del Teide“, das staatliche Hotel einsam gelegen in der Caldera in 2.200 Metern Höhe, ruft zum Abendessen. Das Menü beginnt, wie soll es auch anders sein mit Tapas. Dann folgt gebeiztes Kaninchen natürlich mit viel Knoblauch, Paprika und Pfefferschoten gewürzt. Dazu werden „papas arrugadas“ kleine schrumpelige Kartoffeln, die in Salzwasser gekocht sind, gereicht. Im Kaminsalon gibt es noch einen Absacker, einen Rum mit Honig, und dann geht es in die Welt der Sterne und Planeten. Wenn es dunkel ist, ist die Stille und der Sternenhimmel über der Caldera besonders beeindruckend. Die Luft ist so sauber und klar, da scheint der Sternenhimmel zum Greifen nah. Hier kann man die größte Anzahl an Himmelskörpern beobachten, wie das Nordlicht, den großen Wagen, den Saturn mit den Ringen und Jupiter mit vier Monden, den schon Galileo entdeckt hat. Zum Abschluss wird noch ein Foto vom Mond mit dem Handy durch das Teleskop geschossen.

La Laguna, die älteste Stadt

La Laguna ist die älteste Stadt auf Teneriffa, schon die Ureinwohner, die Guanchen siedelten hier. 1496 eroberten die Spanier die Region, nachdem sie zwei Jahre lang die Guanchen bekämpft hatten. Auf dem Hauptplatz Adelantado spielte sich das Leben ab. Hier wohnten die reichen Leute, das bezeugen die historischen Adelshäuser und Paläste im Kolonialstil zumeist aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Altstadt von La Laguna wurde von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen. Das Kloster Santa-Catalina ist ein schlichter weißer Bau mit einem Holzbalkon mit filigraner Ornamentik. So können die Nonnen, die auch heute noch in strenger Klausur leben, einen Blick auf den belebten Platz Adelantado werfen, ohne gesehen zu werden. Der Hauptplatz mit Drachenbäumen, Palmen und Brunnen lädt zum Verweilen im Schatten ein. Bei einem Rundgang durch die Altstadt kann man wunderschöne Innenhöfe entdecken, wie zum Beispiel den vom Casa de Alvarado Bracamonte, mit verzierten Holzbalkonen und Tuffsteinsäulen. Die Kirche „Nuestra Señora de la Concepción“ aus dem 15. Jahrhundert, ist die älteste Kirche Teneriffas. Beim Eintreten nimmt man den intensiven Geruch von Weihrauch wahr. In dem Taufbecken aus der Zeit der Gründung sind die ersten Guanchen getauft worden. Das Kreuz aus schwarzer Eiche auf dem Jesus sehr realistisch dargestellt ist, hat Schnitzereien mit Flämischem Einfluss. Der Hauptaltar ist aus gehämmertem Silber und der Hintergrund besteht aus Goldblättern. Die Decke erinnert an ein umgedrehtes Boot. Gleich neben der Markthalle sollte man in der „churrería“ „churros“ bestellen, entweder zum Mitnehmen in Papiertüten oder in einer Schüssel serviert. Die „churros“ aus Brandteig werden in heiße Schokolade oder Kaffee mit Milch eingestippt und dann gegessen. Einen Steinwurf weiter überragt die neogotische Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert die ganze Stadt. Am Abend ist die Altstadt mit vielen kleinen Cafés, Tapasbars und Restaurants sehr lebendig und pulsierend, vor allem durch die erfrischende Studentenszene.

Der Teno Nationalpark liegt im äußersten Westen, quasi am Ende von Teneriffa. Der Teil der Insel war lange Zeit nicht zugänglich und hat sich dadurch seine Ursprünglichkeit bewahrt. Die kleinen Dörfer waren mit ihrer Vieh- und Landwirtschaft Selbstversorger. Das Restaurant „El Mesón del Norte“ in Buenavista del Norte muss man einfach besuchen. Nicht umsonst hängen viele Auszeichnungen für die authentische Küche an der Wand. Es gibt Ziegenkäse als Vorspeise, gefolgt von Kalbskotelette vom Grill mit Salat. Gut gestärkt geht es vom Ort Masca zur beliebtesten Wanderung der Insel. Auf alten Fischerpfaden und durch eine tropische Pflanzenwelt mit Palmen, Kakteen, Agaven und Büschen voller Blüten geht es in vier Stunden etwa acht Kilometer bei sommerlichen Temperaturen nur bergab. Hohe, steile Felsen schließen die Schlucht ein, die immer enger wird. Nach unzähligen Serpentinen kündigt eine kühle Brise und Meeresrauschen das Ende der Wanderung an. Ein Boot holt die Wanderer ab und fährt an den mächtigen Klippen, die bis zu 600 Meter hoch sind vorbei zum Hafen, wo der Bus wartet. Auf dem Rückweg gibt es noch einen Stopp in Buenavista. Im Café Central gibt es ein typisches kanarisches Getränk, einen „Barraquito“. Der besteht aus Espresso, Kondensmilch, aufgeschäumter Milch, Likör 43 und Zimt, das bringt Energien zurück. Nach der Wanderung ist der Abend im Hotel „Nivaria“ in La Laguna“ perfekt zum Erholen. Im restaurierten Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert kann man im schönen Innenhof den Tag ausklingen lassen.

Alexander von Humboldt auf Teneriffa

Mehr als zweihundert Jahre ist es her, dass der Naturforscher Alexander von Humboldt Teneriffa besuchte. Im späten 18. Jahrhundert kam es zu mehreren Vulkanausbrüchen auf Teneriffa, von denen auch Humboldt erfuhr. Auf seiner Reise nach Amerika machte er in Begleitung seines Freundes, dem französischen Botaniker A. Bonpland, auf Teneriffa halt. Alexander von Humboldt hat die Vegetationsformen der Insel nach Geländehöhe unterschieden. Er ist von Puerto de la Cruz, an der Küste des Orotavatals, zum Vulkan Teide in mehreren Tagen aufgestiegen und hat dort, inmitten der Bimssteine der Vulkane, das Teide-Veilchen entdeckt. Er bewunderte den Drachenbaum, das angenehme Klima und die ökologische Vielfalt des Orotavatals. Als Alexander von Humboldt am 24. Juni 1799 wieder von Teneriffa aufbrach, schrieb er an seinen Bruder Wilhelm: "Ich verlasse Teneriffa fast mit Tränen in den Augen. Ich würde am liebsten ständig hier leben. Ich habe im heißen Erdgürtel Landschaften gesehen, wo die Natur großartiger ist, reicher in der Entwicklung organischer Formen. Aber nachdem ich die Ufer des Orinoko, die Cordilleren von Peru und die schönen Täler Mexikos durchwandert habe, muss ich gestehen, nirgends ein so mannigfaches so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmaßen so harmonisches Gemälde vor mir gehabt zu haben... Ich kann diesen Anblick nur mit den Golfen von Genua und Neapel vergleichen, aber das Orotava-Tal übertrifft sie bei weitem durch seine Ausmaße und die Reichhaltigkeit seiner Vegetation.“ – Alexander von Humboldt

Fazit: Teneriffa ist im Süden touristisch erschlossen. Im Norden gibt es noch Geheimplätze, ursprüngliche Lorbeerwälder und bizarre Vulkanlandschaften. Die Temperatur auf Teneriffa hat das ganze Jahr angenehme 22 bis 24 Grad und es regnet selten, nicht umsonst hat die Insel den Beinamen „Insel des ewigen Frühlings“. Plinius d. Ä. 23-79 n. Chr. hat die Kanarischen Inseln schon als „die Inseln der Glückseligen“ bezeichnet.

Anreise: Iberia, www.iberia.de, Air Berlin, www.air-berlin.com

Kontakt und Infos: 

 Spanisches Fremdenverkehrsamt, www.spain.info
Teneriffa Tourismus, www.webtenerife.de, www.webtenerife.com
Parque Rural Anaga
, www.webtenerife.de 
Nationalpark Teide
, www.reservasparquesnacionales.es
Laguna Nivaria Hotel & Spa
, Plaza del Adelantado 11, La Laguna, Tel.: +34-922264298, www.hotelnivaria.com
Parador de las Canadas del Teide
, www.paradores.de
Restaurant Meson del Norte
, www.restaurantemesondelnorte.es

 

Der Norden Teneriffas – Vulkane, Regenwald und Meer - (c) Gabi Dräger
Der Norden Teneriffas – Vulkane, Regenwald und Meer - (c) Gabi Dräger
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Über den Autor

Gabi Dräger

Wo findet man Gabriele Dräger in den Bergen? Natürlich in einer Alm bei einer Brotzeit., denn Almen mit guter Küche ziehen sie magisch an. Gipfel nimmt sie auch hin und wieder mit. So hat sie einige 5.000er beim Trekking in Süd Amerika und Nepal, bestiegen. Ihre Hochleistung war der Kilimandscharo mit 5.895 Meter. Kultur und Brauchtum faszinieren sie genauso, wie Städte und Kunstausstellungen. Obwohl sie gerne in urigen Berghütten übernachtet ist sie dem Luxus von guten Hotels nicht abgeneigt.